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Kletterhardware von Gestern
Eine Reminiszenz an “alte Zeiten”

Bild links: Alukarabiner aus dem Hause: P. Allain

Die Idee, daß allein der (hier rechte) Steg für die Tragfähigkeit eines Karabiners ausschlaggebend wäre, findet sich in dieser Fehlentwicklung eines Karabiners. Auf der Schnapperseite wurde komplett auf eine Nase oder irgendeinen anderen Gegenhalter verzichtet, wodurch der Schnapper lediglich die Aufgabe besitzt, das Seil nicht aus dem Karabiner zu lassen, eine Tragefunktion kommt ihm dagegen nicht zu.

Konsequenz dieser Entwicklung: Die Haltekräfte dieser immer noch sehr schweren Karabiner nehmen rapide ab, hier wird ein ungewöhnlich niedriger Wert von 1600 kp angegeben. Das hätte ich dem Karabiner nicht mal zugetraut, wirkt hier doch das Prinzip einer offenen Öse.

Trotzdem: Fehlentwicklung auf der einen Seite, geniale Konstruktion auf der anderen Seite: Der Karabiner läßt sich aufgrund des Fehlens jeglicher störender Kanten und Grate extrem leicht einhängen, das Seil ist sehr gut über die runden Nasen drüberzuschieben. Ein Gedanke, den erst viele Jahre später wieder namhafte Hersteller aufgegriffen haben!

Bild rechts: Karabinerkombination von Gestern

Das Bild zeigt einen Salewa Karabiner, eingehängt in einen Stubai 2000 (einer der berühmtesten Karabiner in den 70ern).

Der Seilzug! Irgendwann ist man auch da drauf gekommen! Je variantenreicher eine Tour und je mehr die Haken einmal rechts, einmal links stecken, um so mehr Seilzug. Das Ganze maximiert sich, hängt man an jedem Haken lediglich einen Karabiner ein. Das kann jeder gerne nachweisen, wenn er mal das Gleiche macht. Nehmt mal ein paar Einzelkarabiner und steigt in eine für euch “leichte” Route ein. Ihr werdet sehen, was bei rauskommt!

Zurück zum Thema, die Verhinderung von Seilzug. Vor der Erfindung der “Exe” - was ja eigentlich nur bedeutet: Dieses kleine Stückchen Stoff zwischen den beiden Karabinern, viele Leute verwechseln das heute schon - hatte man erhebliche Problem mit Seilzug! Die Lösung: Doppelt einhängen! Das bedeutet: Der erste Karabiner wird mit der Nase nach vorne einfach in den Haken eingehängt und anschließend um 180 Grad gedreht. Anschließend wird der zweite Karabiner ebenfalls mit der Nase nach vorne (also zum Fels hin) eingehängt und ebenfalls um 180 Grad gedreht. Dadurch ergibt sich fast so was ähnliches wie eine Exe! Und hat sogar noch den Vorteil, daß der zweite Karabiner um 90 Grad zur Wand weg steht, das gibt zum Teil sogar weniger Seilreibung als mit den heute verwendeten Expressschlingen.

Weiteres auffälliges Detail der Karabiner rechts: Dadurch, daß fast jeder die gleichen Karabiner hatte (es gab ja noch nicht so viele Hersteller), ging man dazu über, die Initialen der Besitzer mittels Schlagbuchstaben in selbige “einzuschlagen”, der obere Karabiner gehörte daher augenscheinlich auch mal “GK”. Diese Schlagbuchstaben kommen aus dem metallverarbeitenden Gewerbe, daher kam irgendwann der Begriff “Schlosserei” für mit viel Materialeinsatz “erzwungene” Routen nicht von ungefähr!

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