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Zum Artikel: „Felsen im Kleinziegenfelder Tal schützen“ vom 12./13. Januar 02 im OT
Den Artikel: „Felsen im Kleinziegenfelder Tal schützen“ lese ich als aktiver Kletterer und Naturschützer mit Verwunderung. Da wird den
Kletterern ohne genau Recherche implizit Naturfrevel vorgeworfen, nur weil sie eben ihrem Hobby, also dem Klettern nachgehen. Zu den Fakten:
Klettern hat im Kleinziegenfelder Tal eine lange Tradition, bereits Anfang des Jahrhunderts wurden die ersten Felsen beklettert. Das Kleinziegenfelder Tal
weist, in heutiger Zeit, z.B. an der Holzgauer Wand oder am Rolandfels, eine Vielzahl von Touren aus, die weltweit ihres Gleichen suchen, kaum ein anderes Tal in der Fränkischen Schweiz weist eine solche Dichte von
Touren in den obersten Schwierigkeitsgraden aus, um welche uns eine Vielzahl von Regionen beneidet. Insofern auch bietet das Ziegenfelder Tal eine touristische Aktration sondergleichen unter Kletterern, ein
Anziehungspunkt auch für die weltbesten Kletterer, aber auch für diejenigen, die diesen Sport „nur“ hobbymäßig betreiben. Man mag es kaum glauben, auch Kletterer müssen essen, schlafen wohnen, weswegen der
Klettersport im Ziegenfelder Tal auch eine touristische Komponente für die ganze Region besitzt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die, aus Naturschutzgründen sinnlose Sperrung des Walberla bei Forchheim,
nach dem der dort ansässigen Gastronomie plötzlich große Teile ihres Umsatzes einfach wegfielen, weil die Kletterer eben auf andere, nicht gesperrte Gebiete ausgewichen sind. Auch ein Bürgermeister Riedel sollte so
etwas bedenken, auch wenn er hier, dem anscheinenden Bürgerwohl geradezu vorrauseilend anfragt, ob nicht die Felsen gesperrt werden könnten. Die Frage bleibt hier nur, ob man denn genauso in vorrauseilender Art auf
Bürgeranfragen reagiert, wenn man mal wieder eine Steuer oder Abgabe erhöhen möchte, nur weil der Staat, im Gegensatz zum einfachen Bürger, anscheinend nicht in der Lage ist, mit den ihm zur Verfügung stehenden
Mitteln auszukommen.
In der Tat gibt es bereits etliche Beschränkungen in den Klettergebieten der Fränkischen Schweiz. So ist u.a. auch das Kleinziegenfelder Tal (wie richtig
berichtet) zoniert, d.h., es gibt so genannte Ruhezonen, die ganz oder teilweise aus Naturschutzgründen nicht betreten werden dürfen und auch „freie“ Zonen, in denen uneingeschränkt geklettert werden darf. Ein
Denkmal ihrer Uneinsichtigkeit haben sich die selbsternannten Richter des Naturschutzes allerdings am im Artikel erwähnten Hammerschmiedeturm selbst gebaut: Dort wurde bereits in den 50er Jahren ein Zaun errichtet,
um eine Betretung aufgrund von Vogelschutz zu verhindern. Die Maßnahme wurde niemals von offizieller Seite unterstützt, der Zaun und die Zaunpfähle modern dort allerdings noch bis auf den heutigen Tag vor sich hin,
ohne das ein Naturschützer einmal auf die Idee gekommen wäre, dieses sinnlose Denkmal wieder abzubauen.
Zu den Felsfreistellungen: „Die Felsfreistellungen sind vorbildlich“, Entschuldigung, da bleibt mir nicht einmal ein bitteres Lachen! Die Freistellungen
an der Holzgauer Wand sind eine Katastrophe, da sie ein bisher existierendes Ökosystem zerstört haben! Es sind bis heute noch nicht alle Bäume aus den Hängen entfernt, ein Brutgebiet für Waldschädlinge wie den
Borkenkäfer ist entstanden! Wen kratzt bitte hier der Uhu, den Kletterer angeblich so gestört hätten? Nachfolgemaßnahmen unterbleiben und Unterholz kommt schneller als erwartet durch und verwandelt das Ganze von
einem dichten Baumbestand in eine undurchdringliche Wüste. Ich kenne die Fotos von den freien Hängen im Ziegenfelder Tal, aber damals gab es auch noch Schäfer, die diesen Job erledigten, wer will dies bitte heute
noch machen?
Zurück zum Klettersport: Die Zonierungen sind allgemein bekannt und veröffentlicht, auch, wie im Artikel erwähnt: „Jugendliche und Anfänger“ kennen diese
Sperrungen oder Beschränkungen, sie sind z.B. im Internet ohne weiteres abzurufen und in jedem Kletterführer erwähnt. Was mich allerdings stört, ist, dass in dem Artikel „Jugendliche und Anfänger“ geradezu als
Schwachsinnige hingestellt werden, die anscheinend wüst brandschatzend die Gegend unsicher machen. Vielleicht sollte Herr Riedel mal selbst zur Roten Wand hochsteigen, ich war dieses Wochenende dort und konnte keine
Feuerstellen oder Verschmutzungen erkennen. Aber ich stelle mich hier nun selbst an die Wand: Ich bin auch schon mal im Sommer rausgegangen, habe mir meinen Schlafsack geschnappt und habe irgendwo in der Fränkischen
geschlafen – wie wahrscheinlich die meisten Mitbürger im Landkreis dies schon mal gemacht haben. Habe mir dabei umweltgerecht meine Mülltüte mitgenommen, alles dort verstaut und am nächsten Tag umweltgerecht
entsorgt. Ein Freund von mir (Raucher) geht sogar noch weiter: Er führt eine kleine Metallbox mit sich und jedes Mal, wenn er sich eine „genehmigt“, entsorgt er seinen Zigarettenstummel dort drin. Möchte mal
wissen, welcher Wanderer dies noch so macht! Abgesehen davon: Klettern ist eine zutiefst persönlichkeitsbildende Sportart, die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft bedeutet ein klares Zwei-Fronten-Denken: Komme
ich da hoch, kann ich mich mit den mir zur Verfügung stehenden Griffen dort festhalten oder kann ich dies nicht und wenn nicht, warum nicht, was habe ich falsch gemacht, welche Bewegung müsste noch verfeinert
werden, um dort dann einmal oben zu stehen. Die Auseinandersetzung mit dem Problem ist eine sehr persönliche, wenn ich nicht hochkomme, habe ich etwas falsch gemacht und nicht der andere, die Sportart wird also
keine Leute hochzüchten, die irgendwann am Bahnhof stehen und dort Passanten anmachen.
Zudem gilt im bayerischen Naturschutzgesetz immer noch das Betretungsrecht: Kletterer sind genauso, wie Bauern oder Waldbesitzer Nutzer der Natur, und als
solche liegt ihnen ebenso wie allen anderen Gruppen sehr viel an dem Erhalt ihrer „natürlichen Umgebung“, also in diesem Falle den Felsen. „Schützt die Natur auch für die Menschen“ war einmal ein Slogan
einer Klettererinitiative, stimmt, denn was hat der Mensch von einer intakten Natur, die er irgendwann nicht mehr betreten darf?
Kletterer sind stets zu einem positiven Dialog mit der Politik bereit. Die bereits umgesetzten Zonierungskonzepte zeigen dies. Dumpfe Stimmungsmache hingegen
wird uns hier nicht weiterhelfen.
Jürgen Kremer Burgberg 1 96215 Lichtenfels
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