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Bild oben: Die Ringstraße in Richtung Laghel bietet einige schöne Ausblicke und Sitzgelegenheiten.
Nun, zu theatralisch will ich weder beginnen noch enden, es hätte aber schlimmer enden können. Es ist niemand umgekommen und ich gehe
davon aus, daß der Verunfallte in der Zwischenzeit ohne bleibende Verletzungen sein Leben ganz normal und ohne Einschränkungen wird gestalten können, nur deshalb erzähle ich auch diese Geschichte und vor allem nur
deshalb zeige ich auch die Bilder. Wäre das nicht der Fall, würde ich das aus Respekt auch nicht machen.
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Bild oben: Beim Aufstieg zum Sektor Belvedere bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf den Gardasee.
Nun, die Dolomiten waren unser Ziel gewesen und der Juli für dieses Unterfangen auch kein schlechter Monat, denn relativ lange hell und
sehr angenehme Temperaturen. Das aber in der Zwischenzeit auf das Wetter überhaupt kein Verlass ist, das wissen wir nicht erst, seit irgendwer das Wort Klimakatastrophe erfunden hat. Denn im Juli 2011 waren die
Dolomiten im Schnee versunken, im September 2011 herrschten dagegen dort unglaubliche 25°C! Aber was hilft alles Wehklagen, Dolomiten war nicht möglich. Ich hatte mir die Wetterseiten von Spanien über Verdon bis
nach Kroatien angesehen, aber letztlich war es in ganz Europa nirgendwo gut. Arco versprach zumindest gelegentliche Regenpausen und die Strecke war die kleinste, daher fuhren wir dort hin.
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Bild oben: Belvedere, unterer Sektor.
Nun, Freunde hatte uns erzählt, daß der untere Sektor in der Zwischenzeit komplett erschlossen wäre, also probierten wir das doch mal
aus. Die Routen zählen zwar nicht zu den schwersten dieses Planeten, sind aber zum Teil sogar recht nett, gerade wenn man etwas verspannt daher kommt oder sich einfach nur einklettern will. Die höchste Schwierigkeit
wird dann so in etwa im Bereich 6a erreicht (also ca. 6+ UIAA Bewertung), meist finden sich aber deutlich leichtere Routen. Ist zwar schön zum Entspannen, aber irgendwann war dann genug Entspannung erreicht.
Ausnahmsweise schien das Wetter auch keine Zicken mehr zu machen und wenn doch, so wäre der nachmittägliche Regenschauer im oberen Sektor ja ohnehin ohne größere Folgen, weil dort die Routen deutlich steiler sind
als auf dem Photo oben....
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Bild oben: Kletterin im unteren Teil von Belvedere.
Hat mit der Geschichte nun überhaupt nix zu tun, aber die Mädels waren tatsächlich das erste Mal in Arco. Ich konnte das kaum glauben,
daß so etwas auf diesem Planeten überhaupt noch existiert, aber die Erklärung war eine leichte: Sie hatten erst gerade das Klettern angefangen, daher waren aber die sehr gut gesicherten Routen im unteren Teil von
Belvedere sicherlich keine schlechte Entscheidung für die Mädels, zumal sie recht beherzt auch vorsteigen wollten!
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Bild oben: Belvedere, oberer Wandteil.
Der Kletterer, um den es hier leider geht befindet sich im Vordergrund, in der Route “Loro del Reno”, einer wirklich
schönen, aber eben auch kräftigen Ausdauerroute am oberen Sektor. Die Route weißt an keiner Stelle einen richtig schweren Zug auf, ich habe die 6c+ bewertete Tour sogar auf einer Liste meiner wenigen OnSight
Begehungen da oben, denn oft hindern die vielen Griffe auch den Kletterer - bis man den besten gefunden hat, liegt man dann doch schon wieder unten (bzw. im Seil).
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Bild oben: Aufregung nach dem Absturz.
Eigentlich wollte ich gerade einsteigen - in eine meiner Lieblingsrouten dort oben, der “Warm Up”, ein phantastisches
Henkelerlebnis an gigantisch großen und wundervollen Sinterstrukturen - als ich zunächst aus dem Augenwinkel irgend etwas vorbeihuschen sah, dann einen unbestimmten, dumpfen Schlag hörte, dann Laute, dann Schreie,
dann Aufregung - es mußte etwas passiert sein. War es auch. Gerade aus den Augenwinkeln sah ich noch einen Aufprall eines Körpers auf dem Vorblock, der dann weiter nach unten stürzte, allerdings kurz vor dem
Erreichen des Bodens noch gebremst wurde. Ein Sturz zum Boden war es also nicht, aber der Sturz auf den Vorblock, der mußte sicherlich weg getan haben, soviel war jedenfalls schon gleich recht sicher...
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Bild oben: Anflug des Rettungshubschraubers auf den Sektor Belvedere
Nun, im Prinzip ist der Rest der Geschichte eigentlich schnell erzählt - der Rettungshubschrauber und seine für solche Einsätze wohl
sehr gut ausgebildete Mannschaft machten ihren Job hervorragend, und dies bei unstetig wehenden Winden und in gefährlicher Lage, immer mit der Gefahr, bei einer Boe gegen die Felswand gedrückt zu werden. An dieser
Stelle daher alle Hochachtung vor dem Hubschrauberpiloten, der sicherlich nicht nur dieses Mal sein eigenes Schicksal hinter dem eines verunglückten Kletterers stellte, denn das Abseilen und anschließende Hochhiefen
von Notarzt und Verunglückten stellte bei den gegebenen Windverhältnissen sicherlich eine fliegerische Meisterleistung dar!
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Bild oben:
Immer wieder drückten die Winde den Hubschrauber in Richtung Fels, so daß ein Ablassen der Rettungskräfte äußerst schwierig wurde.
Nun, bei dem starken Wind, den der Hubschrauber zusätzlich erzeugt, ganz zu schweigen von dem Lärm und dem Rumwuseln der größeren
Gruppe, mit der sich der Verunfallte am Fels aufgehalten hatte war ohnehin nicht an Klettern zu denken, daher machten wir und ein Bamberger Pärchen, die sich ebenfalls in der Nähe aufgehalten hatte, uns so unsere
Gedanken über den Unfall
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Bild oben:
Versorgung des Verletzten durch die Flugrettung. Der Verunfallte ist nicht zu sehen, er befindet sich in Schocklage, da er das Bewußtsein zu verlieren drohte. Die Retter lesteten erste Hilfe und machten ihn transportfähig. Die Sichernde im Vordergrund mußte ebenso von den Helfern betreut werden, da sie sich in einem Schockzustand befand und Weinkrämpfe hatte.
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Bild oben: Der Verunfallte wird ausgeflogen. Der Hubschrauber fliegt bis zu einer größeren offenen Fläche bei Nago, dort wird
der Helfer mit dem Verletzten abgesetzt, anschließend landet der Hubschrauber und der Verletzte wird eingeladen. Nach wenigen Minuten fliegt der Hubschrauber weiter in Richtung Krankenhaus in Rovereto. Dort wird man
später ein Wirbelsäulentrauma feststellen.
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Bild oben:
Erstaunlich schnell hatten sich einige tschechische Kletterinnen von dem Schock des Unfalls direkt daneben erholt und stiegen schon wieder in die ersten Routen ein.
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Bild oben:
Uwe am Parkplatz bei Belvedere. Wir hingegen waren da nicht ganz so hart im Nehmen, wir machten zwar auch noch eine Route, allerdings dann gingen wir runter zum Parkplatz und ließen den Tag ausklingen.
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Bild oben: Zeitungsausschnitt vom 26.Juli 2011.
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Analyse des Unfalls
Ein Unfall ist oft nicht zu erklären aus dem Fehlverhalten eines Einzelnen, sondern aus einem manchmal fatalen Zusammenspiel
verschiedener Gründe, wie ich sie hier einmal an diesem Unfall aufzeigen möchte:
- Sorglosigkeit, fehlende Aufmerksamkeit, Ablenkung
Eigentlich mehrere Gründe, aber eigentlich nur einer. Mir fiel die Gruppe
auch auf, nicht nur weil es eine größere Gruppe war, sondern vor allem, wegen der Lärmentwicklung. Auch die Sichernden gackerten die ganze Zeit und kaum einer aus der Gruppe bekam mal den Mund zu, weswegen die
Sichernden oft mehr dem Gespräch als dem Kletterer folgten.
- Sicherungsfehler.
Die Sichernde benutzte ein Tube, sie konnte - auch weil sie aus oben genannten Gründen unvorbereitet war -
den Sturz nicht halten und lies das Seil durchlaufen. Mit einem Grigri als Sicherungsgerät wäre der Unfall wenn überhaupt dann sicherlich nicht in dieser Schwere passiert. Irgendwann, nach dem Einschlag des
Kletterers auf dem Band, kriegte sie das Seil wieder zu fassen und konnte den Kletterer dann kurz vor dem Boden doch noch bremsen. Die Verletzungen stammen jedoch zum Großteil vom Sturz auf das Band.
- Fehler des Kletterers.
Der Kletterer kam in Schwierigkeiten, die Kraft wurde langsam knapp, er hatte jedoch schon mehrere
Versuch in der Route hinter sich und wollte endlich den Durchstieg. Daher entschloss er sich, eine Sicherung zu überklettern, weil das Klippen des Seils aus der Kletterposition dort schwierig ist. Vor dem
Erreichen der nächsten Sicherung folgte dann allerdings der Sturz. Ob allerdings das Einhängen des Seils den anschließenden Sicherungsfehler, also das Durchrutschen lassen verhindert hätte, ist fraglich.
- Kombination aus Unerfahrenheit und mangelnder Klettererfahrung.
Wie sich herausstellte, war das Seil am Tag zuvor neu gekauft
worden, ein 8,7mm Einfachseil mit Imprägnierung. Wer selbst schon mal so einen dünnen Strick - vor allem mit Imprägnierung - in Händen gehalten hat, der weiß, wie glatt solche Seile sein können. Man hätte der
Sichernden niemals die Kombination aus Tube und viel zu dünnen Seil erlauben dürfen, da sie sicherlich nicht in der Lage war, einen Sturz und die anschließende Kraftspitze zu halten. Da der Kletterer vorher
allerdings bereits öfters im Seil saß, hätte sie bemerken müssen, daß auch bei geschlossenem Tube das Seil ständig leicht durchläuft und daher schon in Ruheposition erheblichen Kraftaufwand erfordert. Sie hätte
sich daher also fragen müssen, ob sie dazu in der Lage wäre, das Seil auch bei einem Sturz halten zu können.
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