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Am Ausstieg der Westwand. Ach was hatten wir doch für lustige Hütchen auf, eigentlich doch eher bekannt von
Rennfahrern aus den 50ern. Aber naja, wenn’s hilft...
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Auf Wiedersehen, Große Zinne, morgen kommen wir wieder. Wirklich? Auf jeden Fall versuchen wir es, soviel
war schon mal klar! Zu einfach war alles bis jetzt, zu gut einfach das Wetter. Den Abstieg prägen wir uns ein, eine Art Lebensversicherung für eventuell zu langsame Begehungen.
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Neuer Tag, neues Glück, und, das Wetter, so gut wie nie. Keine Wolke trübt den Morgenhimmel und es sieht
auch ganz danach aus, daß keine Wolcke den Nachmittagshimmel wird trüben können. Früh um kurz vor sechs Uhr genau da, wo man zu dieser Zeit sein sollte und das erste (und auch letzte) Licht des
Tages in der Nordwand einfangen. Bessere Verhältnisse wird es nicht geben, also los! Heute oder gar nicht!
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Kaum begonnen und auch schon wieder vorbei. Wir seilen ab. Nach dem Vorbau über 2 Seillängen beginnt auch
schon die Schlüsselstelle. Extrem ausgesetzer Quergang und dann nach oben. Michael fragt gleich: Würdest es Du Dich trauen - nein, würde ich nicht, zumal dann nicht, wenn mich das jemand fragt, der
damals mindestens 2 volle Grade über mir geklettert ist. Also, wieder runter, für mich eine große Enttäuschung aber auch Ansporn zugleich, wußte ich doch nun, daß ich da nur raufkommen würde, könnte ich
das selber klettern. Einzig wurmt mich, damals nicht gleich gesagt zu haben: Ich mache es! Naja, war vielleicht auch besser so. Einziger Nachteil: Wir standen bei Traumwetter um 7 Uhr früh am Einstieg.
Was tun? So einen Tag ungenutzt verstreichen lassen?
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Wer sagt’s denn: Beste Vorraussetzungen: Sonne, kürzere Tour und kein Nordwand-Streß. Lächerlich.
Rauchen wir in der Pfeife!
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Blick zurück auf die Cadinispitzen. Da hilft nur eines. Niederlage fressen oder wieder herkommen. Ich
entschied mich für letzteres, nicht ohne einen gehörigen Dämpfer bekommen zu haben. Weiteres seht Ihr in den Dolomitengalerien.
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Blick aus der Südwand der Großen Zinne (Abstieg für alle Routen in der Nord- und Westwand) in Richtung
Cadinispitzen (Mitte) und Misurinasee (Rechts). Optimale Verhältnisse: Langsam absteigen und sich den Abstieg genau einprägen. Wie gesagt: Der Abstieg ist kompliziert und im Nebel schwer zu finden. Also
langsam machen und sich jede Zacke, jeden Rechts- oder Linksquergang gut einprägen. Ein Biwak an den Zinnen findet häufig im Abstieg statt. Die vielen kleinen Biwakmäuerchen zeugen davon.
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Blick nach unten in die 3+ Stelle am Aufstieg vom Normalweg. Da möchte man dann doch lieber nicht 3+
klettern, so übel sieht das Ganze dann von hier aus. Brüchig, schottrig usw. Aber gut, der Boden ist schon in Sichtweite, da kommen wir auf jeden Fall, auch bei schlechten Verhältnissen wieder runter.
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Blick am frühen Morgen rüber zur Drei Zinnen Hütte, die, im Sattel gelegen, bereits die ersten
Sonnenstrahlen abbekommt. Die tragische Geschichte des S. Innerkofler, der im ersten Weltkrieg die im Bild sichtbare Kante des Paternkofels erstieg und dies mit seinem Leben bezahlte, ist in vielen
Geschischtsbüchern verewigt.
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Blick zurück im Zorn, nein, eigentlich nicht im Zorn, ich hätte ja die Möglichkeit gehabt, mir das mal
anzusehen und zu sagen, “Ja, ich gehe es”. Habe ich nicht getan, also gut, dann wenigstens das Beste aus dem Tag noch machen. An der Punta di Frida (gleich ums Eck) befindet sich ebenfalls
eine Tour von Comici, 6+(5a0). Also da können wir ja auf jeden Fall einsteigen, wenn es frei nicht geht, aber technisch den 5.Grad werden wir ja wohl noch können. Ohne Comici-Tour an diesem Tag heimgehen
war einfach nicht drin, wir müssen da rein und es muß klappen.
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Rauchen wir leider nicht. An der Schlüsselseillänge 6+(5a0) sagt Michael erneut zu mir: “Du, ich sehe
keine Haken, würdest Du Dich das trauen?”. Diesmal war ich schon etwas nassforscher! Ich sage ja, steige 3m hoch, doch ich sehe keinen Haken. Die Seillänge ohne Haken, kann das sein. Ein kurzes
Gespräch (schreiend) mit Italienern neben uns überzeugt uns: Letzte Woche wurden aus der Tour alle Haken entfernt. Rückzug. Wir seilen an Haken ab, die nicht mal mehr Rost sind, sondern lediglich noch
Staub. Ich verbinde den Staub und bete beim Abseilen: Bitte haltet! Kein Ruckeln, nichts! Will ja kein unfreiwilliges Schauspiel bieten für die hunderte von Leuten unten an der Lavaredo-Hütte (rechts
unten). Klasse. Zwei Rückzüge an einem Tag. Zumindest für mein Selbstwertgefühl einer der schwärzesten Tage in meinem Kletterleben. Da dachte ich mir dann: Laß es, Du kannst eh nichts! Ein ganzes Jahr
habe ich gebraucht, um damit fertig zu werden. Ich stelle diese Geschichte bewußt in die “Anfänger”-Galerie, um zu zeigen, daß nach mehreren Fehlversuchen noch nicht alles aus ist. Man
gewinnt an Erfahrung, das ist alles. Später waren die Verhältnisse bei weitem nicht so gut. Es ging doch, noch viel besser, als es an dem Tag jemals hätte gelingen können.
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