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        by Jürgen Kremer

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November

Dolomiten
 Tipps für die unbeschwerte Dolomitenkletterei
 

Einige Tipps für Neulinge in den Dolomiten.
Alte Hasen werden diese Seite sicherlich schnell übergehen oder - so sie noch weitere gute Tipps haben - mir diese per Mail zukommen lassen. Für den Kletterer, der allerdings noch nicht oder kaum in den Dolomiten unterwegs war, werden sie sicherlich eine kleine Hilfe darstellen...

Wetter:
 Sich vorher genau informieren, wie die Wetterlage ist. Dies ist nicht ganz einfach, ziehen doch oft von Süden schnell Regengebiete, aber auch schnell Hochs auf. So kann es bis Mittag manchmal regnen, am Nachmittag und Abend dagegen der schönste Tag werden. Sich nicht von kurzfristigen Wetterbesserungen leiten lassen. Anders als in den Zentralalpen ist hier die Wetterwechselfrequenz deutlich höher. In lange Touren daher nur bei dauerhaft gutem Wetter einsteigen!

Wettervorhersage:
Der Südtiroler Wetterbericht, der über eine Telefonansage abgehört werden kann, findet sich unter der Rufnummer 0471.727007. Leider gilt er gemeinhin als die Ansage der Vereins: “Schönes Südtirol” und dort findet sich seltsamerweise immer eine Langzeitprognose für gutes Wetter am Wochenende. Aber was will man schon anrufen ansonst, der Alpenvereinswetterbericht für die gesamten Alpen ist meist besetzt und entsprechend ungenau. Trotzdem die Nummer: 089-29 50 70

Ausrüstung:
 Hier scheiden sich die Geister: Was braucht man wirklich? Meist gilt der Leitsatz: Lieber ein wenig zuviel mitgenommen, man kann wirklich nicht wissen, was einem erwartet. Nur sehr kurze Routen (bis 150m Wandhöhe) sportklettermäßig angehen, weil s.o.
Klettergurt: Normaler Sportklettergurt, allerdings mit mindestens 4 Materialschlaufen. Die angepriesenen Alpingurte sind meist der größte Mist und auch nicht sehr hilfreich. Wer lange Stürze hinlegen will, kann sich ja noch mit einem Brustgurt versehen, ich würde davon abraten, lange Stürze enden ja ohnehin auf irgendeinem Band und daher tötlich, auch ohne die Geisel des Brustgrutes.
 Helm: Nachdem ich einen Stein, der genau auf mich zielte, nur dadurch ausweichen konnte, daß ich eben keinen Helm trug (ich sah ihn einfach früher), nicht die bevorzugte Kopfbedeckung bei mir. Grundsätzlich natürlich falsch, ein Helm sollte auf keiner Dolomitentour fehlen! Es gibt in der Zwischenzeit sehr viele Helme, auch mit verschiedenen Belüftungssystemen. Bei der Wahl eines Helmes gilt daher grundsätzlich: Zeit lassen: Nicht den erstbesten Helm kaufen, nur weil man gerade auf Tour möchte, einen schlechten Helm kann man sich auch ausleihen! Denn merke: Nur wer einen Helm findet, den er eigentlich gar nicht spürt und der ihn nicht stört, der trägt ihn auch!
Expressen: 12 Expressen am Gurt sind im Normalfall ausreichend, außer es werden extrem technische Führen (Schweizer Dächer an der Großen Zinne) begangen, dann 14-18 Expressen. Merke: Je leichter die Tour, desto weniger Zwischenhaken, desto weniger Expressen also nötig. Desto gefährlicher leider meist auch. Wer einen 4er in den Dolomiten klettert, sollte also auch einen 4er im Solo draufhaben. Die Absicherung ist hier meist nur was “fürs Gemüt”.
Natürliche Sicherung: Sinnvoll ist hier meist die Verwendung von Klemmkeilen und Friends. Leider sind die Dolomiten hier sehr abweisend, auch aus den Rissen fallen die Dinger gerne wieder raus. Hier am besten: Fest anziehen, dann bleiben sie vielleicht drin. Das liegt am Dolomit, der sehr glatt und Klemmkeil - abweisend ist.
Klemmkeile: Am besten den Satz: 1-10 von Wild Country mitnehmen. Der paßt fast in allen Lebenslagen.
Friends: War ich früher von den “Ur”-Friends von Wild Country überzeugt, so neige ich heute eher zu den “Camalots” von Black Diamond, dies ist allerdings wie immer Geschmackssache. Da die Segmente allerdings besser einzeln beweglich sind, findet sich gerade in den Dolomiten ein deutlicher Vorteil im Handling gegenüber den ursprünglichen Friends mit Starrachse.
Schlingen: Sind nicht schwer, also möglichst viele dabei haben. Sanduhren sind hier oft mehr zu fädeln als man denkt, in einigen Touren (Messner am Sellaturm) sogar oft die einzige Sicherungsmöglichkeit. Ein “Sanduhrenblick” ist Übungssache und kann durch einen ruhigen, vorausschauenden Kletterstil begünstigt werden.
Künstliche Sicherung: Haken sollten in vielen Dolomitentouren nicht fehlen. Eine unangenehme Situation aus eigener Erfahrung war, eine kürzlich “ausgenagelte” Tour zu klettern. Kein Haken mehr und die Standhaken alle durchgerostet. Zumindest für den “geordneten Rückzug” sollten also noch ein paar Haken und ein Hammer im Gepäck sein. Sind Touren dagegen fast komplett hackenlos, empfiehlt es sich, daß auch der Nachsteiger einen Kletterhammer mitführt. So können die meisten der geschlagenen Haken wieder entfernt werden. Läßt man nämlich auf längeren Touren auch alle selbst geschlagenen Haken stecken, so kann das eine teuere (im Durchschnitt etwa 5 - 8 Euro pro Haken) und materialaufwändige Geschichte werden. Und wiegen tun die Dinger ja auch einiges, daher sollte man die Anzahl der mitzuführenden Haken auf ein Mindestmaß beschränken.

Taktik:
Früh aufstehen hilft hier meist. Auch wenn man auf Hütten übernachtet, sind die Anstiege zu den Touren oft noch ein bis zwei Stunden. Eine Ausnahme machen hier die Touren rund um den Sellapaß. Kurze Führen (max. 10 Seillängen) und sehr kurzer Zustieg (20min. bis maximal eine Stunde). Alle anderen Gebiete weisen meist recht lange Zustiege oder viele Seillängen (Zinnen) auf. Zwei Möglichkeiten, sehr früh an eine Tour ranzukommen sind folgende:
1. Übernachtung auf Hütten. Nachteile: Schnarchende Wanderer, die nachts noch einen drauf gemacht haben. Enge, irgendeiner will immer pissen usw. Wer einen leichten Schlaf hat (so wie ich), sollte auf diese Möglichkeit verzichten. Einziger Vorteil: Oft kann man dem Hüttenwirt sagen, wann man aufstehen will, er weckt einem dann zu der Zeit. Meist will man dann aber nicht geweckt werden, weil man gerade erst eingeschlafen ist, weil vorher einer pissen mußte, einen Furz gelassen hat oder geschnarcht hat.
2. Geplantes Biwak unter dem Einstieg: Vorteil: Man ist sehr nah am Einstieg, kann demzufolge länger schlafen und hat nicht die Nachteile von 1. Nachteile: Man braucht ein angenehmes Plätzchen zum Schlafen. Dies zu finden ist unter Umständen nicht so sonderlich leicht auf einem Schotterfeld und kalt ist es meist auch noch. Hier guten Schlafsack und Isomatte mitnehmen und das dann unter dem Einstieg verstauen. Kommt man hoch, bleibt einem meist ein Biwak erspart und ein zweiter (kann ruhig schlechter sein) Schlafsack hilft über die Nacht im Zelt oder im Auto. Am folgenden Tag kann man dann in aller Ruhe vom Auto aus wieder an den Einstieg hochlaufen, Bilder machen und sich seine Heldentaten vom Vortag nochmal von unten ansehen.

Biwak:
Nein, sowas will man dann nun wirklich nicht! Vergeßt alles, was Ihr in irgendwelchen Büchern gelesen habt! Meist irgendwo hingekauert, womöglich noch gesichert an irgendeineim Mist und den Klettergurt noch an, weil man ja, wenn man nachts vorne über kippt, nicht am Wandfuß enden möchte! Kalt ist es übrigens auch, selbst in Arco (siehe Galerien dort (Monte Casale)). Hier wieder die Möglichkeiten, die Sache mehr oder weniger angenehm zu gestalten:
1. Ungeplantes, aber mögliches Biwak: Nur die Biwaksäcke mitgenommen. Festgestellt, es geht nicht mehr hoch und nicht mehr runter. Lecker! Biwaksäcke auspacken. Ich habe mir, weil ich diese Biwaks hasse, einen Gore-Tex Biwaksack gekauft. Hat wenig geholfen, da nur die Oberseite aus Gore-Tex ist, die Unterseite dagegen normales Nylon. Nach zwei Stunden war ich genauso naß wie in einem normalen Biwaksack, der Rest der Nacht war entsprechend kalt und feucht! Tendiere daher mehr zu Möglichkeit zwei.
2. Geplantes, mögliches Biwak: Inzwischen gibt es Schlafsäcke, die kaum größer als Biwaksäcke sind, aber sie sind deutlich wärmer! Etwas schwerer, aber es lohnt sich, wenn man dann wirklich biwakieren muß. Der nächste Tag ist dann nicht nur ein Tag, sondern auch noch real zu erleben, herausgekommen aus der Zone zwischen Tran und Realitätsverlust. Diese Schlafsäcke werden meist unter der Bezeichung “Ultra Light” verkauft und sind oft nicht schwerer als 500g. Einziger Nachteil: Meist verfügen sie über keine wasserfeste Außenhülle, daher ist ein trockener Biwakplatz anzuraten.
3. Ungeplantes Biwak ohne Ausrüstung: So ziemlich das übelste, was er gibt! Kein Bier, keine Frauen, nichts, was einen wirklich aufheitert. Hier hilft nur: Hoffen, daß man die Nacht so halbwegs unbeschadet übersteht, was man meist nicht tut. So schnell wie möglich nach oben oder nach unten, sonst kann das wirklich gefährlich werden.

Tourenauswahl:
Wie eigentlich in jedem anderen Gebiet gilt auch für die Dolomitenkletterei: Erst mal klein anfangen. Dies gilt sowohl für die Schwierigkeit als auch für die Wandhöhe. An den Sellatürmen findet man einiges, was für den Dolomiten- oder Gebirgsanfänger zu empfehlen ist. Die Wandhöhen bewegen sich zwischen 180 und 300m und die Routen sind schnell vom Sellapaß aus zu erreichen (zwischen 20 und 45min Gehzeit).
Einige empfohlene Routen am Sellapaß:
Erster Sellaturm:
Stegerkante (4+): Leider sehr abgeschmiert. Die Tour sehr früh angehen, da sie auch als Abseilpiste für die anderen Routen am Ersten Sellaturm dient.
Trenker (5-): Leider auch schon sehr poliert. Dadurch erweist sich die fünfer Länge als gar icht so leicht!
Tissi (6): Sollte nicht von Leuten angegangen werden, die gerade mal einen Sechser draufhaben. Schon die erste Länge, ein ruppiger Körperriß, zeigt, was Sache ist! Die anschließende kleingriffige und glatte Wand will auch erst mal geklettert werden und die Haken stecken ungünstig.
Schober-Rossi (7-): Schöne Wandkletterei, in der Mitte der Route sind die Haken allerdings etwas dünn gesäht und der Fels erweist sich als klemmkeil- und friendfeindlich. Tipp: Den ersten Stand (am Ende des Zweiergeländes) nicht überklettern, da sonst extremer Seilzug in der anschließenden Quergangsseillänge droht!
Zweiter Sellaturm:
Kasnapoff (5-): Schöne Route in festem Fels, sehr häufig begangen. Absicherung manchmal etwas dürftig, Klemmkeile und Friends mitnehmen. Die Route ist, weil genau an der Kante, sehr stark dem Wind ausgesetzt. Lieber einen Pullover mehr mitnehmen.
Ciavazzes:
Verschiedene Routen im unteren Bereich bis zum Gamsband, teilweise sogar schon mit soliden Bohrhaken ausgestattet.
Vajolettürme:
Delagokante (4+): Sehr schöne Kante mit rasanter Abseilfahrt, gut für den Ausflug in rasante Abseilfahrten geeignet.
Winkler (4+oder 4-): Der Weg des Erstbegehers auf den nach im benannten Turm ist noch immer genauso luftig wie vor mehr als 120 Jahren!
Fehrmann (4+): Gerne wiederholte Route auf den höchsten der Türme, leider schon etwas polliert, was aber der Schönheit der Kletterei keine Abbruch tut.
5 Torri:
Verschiedene Route an jeder Seite der Türme, in der Zwischenzeit alle bestens saniert und mit zementierten Haken versehen. Das Microklima an den Cinque Torri läßt manchmal auch den Winter zum Sommer werden, oft herrschen selbst dann angenehme Temperaturen dort.

Hinweis: Dies Empfehlungen enthalten natürlich keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit. Ganz im Gegenteil, sie sollen nur Anregungen sein. Gerade das Aufspüren neuer Möglichkeiten macht doch gerade den Reiz des Sports aus.

Tourenempfehlungen werden in regelmäßigen Abständen auf der Auswahlseite Dolomiten eingepflegt. Schaut daher öfters mal rein, was es Neues gibt.

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