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        by Jürgen Kremer

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Das Bild des Monats
November

Dolomiten
 Routen für Neulinge der Dolomitenkletterei

Die “Delagokante” an den Vajolettürmen im Rosengarten

Naja, die erste Feuertaufe in den Dolomiten (Siehe dazu auch hier) war bestranden, Klettern dort war also grundsätzlich möglich. Typischer Anfängerfehler allerdings: Die berühmten Routen mußten es sein. An einem Wochenende hatte wir uns die Delagokante (4) an den Vajolettürmen vorgenommen. Leider schon bald die erste Ernüchterung: Dicke Wolken erwarten uns am Ende der Straße zu den Vajolettürmen. Im Bild der Ausgangspunkt zu den Routen dort: Die Gardeccia-Hütte (mit dem Auto bis hierher).

Doch noch schönes Wetter. Blick in den Dolomitenhimmel am Abend, irgendwo zwischen dem Fassatal und der Gardeccia-Hütte. Das Zelten ist dort eigentlich nicht erlaubt, aber etwas abwärts der Straße findet man immer ein Plätzchen. Nur eine Bitte: Müll wieder mitnehmen!

Nach zwei endlosen Stunden in der Vajolethütte bemerkten wir: Da sind doch blaue Flecken im Grau. Also nichts wie aufsteigen, bis wir oben sind ist das Wetter vielleicht noch besser! Aufstiegszeit von der Vajolethütte zum Beginn der Delagokante: ca. 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden.

Am nächsten Morgen: Dicke Wolken, nichts zu machen! Was macht man an einem solchen Tag! Nichts, rumhängen oder an einem der Blöcke im Wald ein paar Züge klettern. Am Abend kam sogar die Sonne. Doch noch schönes Wetter?

Das gleiche Bild am nächsten Morgen: Wolkenverhangener Himmel und leichter Regen. Ein Wochenende in den Dolomiten und nicht mal einen Fels berührt. Das sollte es ja auch nicht sein. Also stiegen wir mal auf zur Vajolethütte (ca. 1 Stunde von der Gardeccia-Hütte, dem Ende der Fahrstraße). Vielleicht wird es ja in der Zwischenzeit besser. Die Vajolethütte liegt übringens im Bild rechts hinter dem Felssporn.

Aufstieg zu den Vajolettürmen. Links unten im Bild die Vajolethütte, die eigentlich aus einer Ansammlung mehrerer Hütten besteht. Auch das Wetter wird zusehens besser. Schon jetzt ahne ich: Womöglich waren wir nicht die ersten, die das bemerkt hatten. Zig Seilschaften bewegen sich auf die Türme zu und ich fürchte, hautsächlich auf “unsere” Kante.

Aber was macht man nicht alles für solche traumhaften Bilder. Hier die Gratlhütte, nur wenige Meter entfernt vom Laurinspaß. Ein ziemliches Kälteloch allerdings, hier, schon Ende Juni, noch Eis auf dem daneben liegenden See. Die Hütte ist daher auch nur von Mitte Juli bis September bewirtschaftet, wenn die großen Touristenströme dort einfallen.

Wohl eines der berühmtesten Bilder der Dolomiten: Die Vajolettürme vom Laurinspaß aus photographiert. Der kleine Umweg über den Paß brachte uns aber später einiges an Verzögerung. Einige Seilschaften waren direkt zur Kante gegangen und daher vor uns. Die Dreierseilschaft direkt vor uns wirkte schon mal ziemlich zitterig. Waren sie auch, entsprechend langsam ging es vorwärts. Nach der ersten Seillänge kommt allerdings das Erwachen. Klettert man vorher nur langsam vom Vorbau weg, muß man nun nach links um die Kante. Und dort sind dann auf einmal gute 400m Luft unterm Hintern, das sieht verdammt beeindruckend aus. Da trauten sie sich dann nicht mehr drüber. Also runter, Seile übereinander, Knoten im Seil und all der Spaß, den man dann hat!

Blick aus der Delagokante auf den Piazturm (benannt nach seinem Erstersteiger). Das Bild habe ich nicht etwa gemacht, weil es schön ist, sondern weil mir langsam langweilig wurde. Das Chaos der Dreierseilschaft, rauf, nein doch nicht, wieder runter, Seil in der Fresse von denen, klasse!
Als ich ihre “Rückzugsseillänge” dann selbst anging, wurde mir klar, was da Sache war. 400m Luft unterm Hintern (wir waren zwar erst 30m geklettert, aber um die Kante rum, da ging es heftig nach unten) und der rettende Zwischenhaken gut 10m über mir. Die Kante poliert wie eine Speckschwarte und die Schuhe fingen an so eigenartig zu quitschen. Jetzt nur nicht nervös werden sagt sich so leicht! War danach auf jeden Fall der Meinung, zumindest einen leichten Sechser gemacht zu haben, den mit glatt 4 hatte das nichts mehr zu tun!

Bild oben: Blick aus der Delagokante, beim ersten Stand. Von hier sieht man auf den Gipfel der Punta Emme, die von der Vajolethütte wie ein imposanter Gipfel wirkt. Und in der Tat täuscht die Perspektive: Einige recht rassige Klettereien finden sich dort, aber vor allem die “Steger” und der “Piazriß” erfreuen sich häufergerer Wiederholung.

Bild links: Endlich allein, endlich klettern! Die zweiten vor uns waren schon so weit vorraus, das wir sie nicht mehr kriegen konnten und die Seilschaft vor uns endlich wieder unten! Nach der zweiten, der Schlüsselseillänge lehnt sich die Kante etwas zurück, wird zwar (was ich wegen der vielen Begehungen allerdings nicht verstehe) etwas brüchiger, dafür um so leichter. Einziges Problem ist hier nur noch, die Zwischensicherungen an dem etwas lockerem Gestein anzubringen, da die Haken nach oben zu etwas dünner (seltener) werden.

Die “Helden” auf dem Gipfel des Delagoturms. So richtig ausgelassen scheint die Stimmung dann aber doch nicht, steht doch noch der Abstieg bevor, der sich im Führer durchaus etwas abenteuerlich liest. Aber was solls, das Wetter ist noch gut und da sind ja auch schon andere wieder runter gekommen...

Blick vom Gipfel Richtung Westen. Die Sicht war durch den Regen vorher traumhaft gut, es hat sich also doch gelohnt! An einem Wochenende nur eine 5 Seillängen Tour? Die Natur entschädigt einem dafür mit herrlichen Bildern!

Zur zweiten Seite der Delagokante an den Vajolettürmen kommt Ihr durch einen Klick auf die Schrift!

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