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November

Dolomiten
 Die wilden Routen

Campanile di Val Montanaia (2.173m) - der unlogischste Berg der Alpen

Panorama 4
Monfalconi am Morgen

Bild links und unten: Panorama rund ums Rifugio Pordenone, welches nur 10min vom Ende des Fahrwegs entfernt liegt. Man kann also bequem seinen Rucksack im Auto lassen und direkt von dort losmarschieren.

Die erste deutschsprachige Beschreibung des Gebietes rund um Cridola und Monfalconi erschien im Jahre 1900 im Jahrbuch des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.
Von Hans Steinitzer stammen die Texte, während sein Gefährte Rudolf Reschreiter die Illustration übernahm. So machten die beiden erstmals dieses unbekannte Gebirge auch nördlich der Alpen bekannt und erkundeten die damals noch weitgehend unerforschte Region. Keine hohen Gipfel und eher am Rande der Dolomiten gelegen - schon damals war die Gegend eher unbeachtet.

“Auf den Cridola kommt keiner hinauf “ soll 1884 ein Bergbauer zu Professor Julius Kugy gesagt haben, doch dieser bestieg bald darauf mit seinem Führer Pacifico Orsolina den Ostgipfel der Cridola, 1901 wurde dann der niedrigere Ostgipfel durch Oskar Schuster aus Dresden bezwungen.
“Ich hätte der Erschließer dieser Berge werden können”, schrieb Kugy später, aber ihm erschienen die Viertausender der Westalpen standesgemäßer.
Bereits 1860 war aber John Ball, Mitbegründer des Britischen Alpine Clubs auf diese Berge aufmerksam geworden. Sein Landsmann Josiah Gilbert erstieg im Jahr 1862 den 1825m hohen Monte Verdorcia und war fasziniert von der grandionsen Aussicht auf die Gruppe. 1869 schließlich erschien sein Buch “Cadore or Titians country”, dessen Wirkung auf seine bergsüchtigen Landsleute jener Jahre enorm gewesen sein muß.

Monfalconi am Morgen
Aufstieg über Schuttfelder

Denn schon 1870 bereiste Francis Fox Tuckett die Gegend und 1874 stand der Cortineser Bergführer Santo Siorpaes mit seinen Gast W. Utterson-Kelso auf dem Gipfel des Monte Duranno (2668m), sechs Wochen später dann mit M. Holzmann auf dem höchsten Gipfel der Region, der Cima dei Preti (2706m).
1891 schließlich stand Arturo Ferrruci von der Societa Alpina Friulana auf dem Monfalcon di Montanaia, dem höchsten Gipfel der Monfalconi Gruppe. Er hatte sich schon vorher über das mangelnde Interesse italienischer Bergsteiger bei der Erschließung der Gruppe beklagt, nun nahm er die Sache selbst in die Hand.
Doch als Giovanni Marinelli 1898 mit seinem “Guida della Carnia” den ersten Führer über das Gebiet herausbrachte, waren von den 230 Gipfeln der Gruppe maximal ein Viertel erstiegen. Von den unzähligen Türmen in einem Kamm ganz zu schweigen...

Bilder oben, rechts und unten: Neben der faszinierenden Landschaft beim Aufstieg hoch in Richtung Campanile ist vor allem eine Sache unangenehm: Das steile Geröll. Es zeichnet vor allem dadurch aus, daß seine Konsistenz ständigen Änderungen unterliegt. Meint man mal, ein Stück mit großen, weniger rutschenden Steinen gefunden zu haben - schon ist man wieder in steilem, kleinsplittrigem Bruch, der einem eher zurück als vorwärts kommen läßt. Während die Bilder oben und rechts die eigentliche Steilheit des Anstiegs nur vermuten lassen, gibt das unten stehende Bild schon einen klareren Eindruck davon, welche Plackerei hier den geneigten Begeher erwartet.
Manchmal hat man eher den Eindruck, man bewege sich eher zurück denn wirklich nach oben...
Über weite Strecken kein richtiger Weg, sondern hauptsächlich steiles Bachbett. Oft mitten drin. Im Frühjahr sicher kaum zu begehen.

Blick in Richung Rifugio Pordenone
Schweißtreibender Aufstieg über die Schuttfelder

Aber kommen wir zurück zu Hans Steinitzer und Rudolf Reschreiter und deren Monographien, die in den Jahrbüchern 1900 bis 1902 des DÖAV’s erschienen.
Quasi über Nacht war das Gebiet nun im deutschsprachigem Raum bekannt und zog die Bergsteiger an als wäre auf einmal ein Magnetfeld entstanden, dessen Anziehungskraft wohl außergewöhnlich gewesen sein muß - findet man bei näherem Hinsehen fast nur deutsch klingende Namen unter den Erstbesteigern. So sagt man den Innsbrucker Studenten Karl Berger und Ingenuin Hechenbleikner besonders im Jahr 1903 einen großen Eifer in der Erschließung des Gebietes nach, sollen sie doch an manchen Tagen bis zu drei Gipfel erstbestiegen haben. Darunter den im Juli 1903 erstbestiegenen Campagnile Torro, einem auffallenden Zacken in der Monfalconi Gruppe mit moderatem Schwierigkeitsgrad 3+/4-

Bild rechts: Lange ersehnt in den Schuttfeldern: Der erste Blick zum Campanile di Val Montanaia. Das allerdings der schlimmste Teil des Aufstiegs noch kommt - ein Stück etwas rechts der Bildmitte genau durch ein Bachbett - weiß man hier noch nicht. Und das es weiter ist, als es von hier aus aussieht, das weiß man auch noch nicht.

Weitere Namen verewigten sich in diesen Jahren in diesen Bergen: Darunter Dr. Fritz Koegel aus Düsseldorf mit seinem Führer Joseph Both oder der Fassaner Tita Piaz, der zwischen 1903 und 1910 mit seinen Gästen Bernhard Trier und Michelsohn nicht nur den fünften Grad in diesem Gebiet etablierte, sondern mit der Punta Pia und dem Campanile Olga auch gleich noch seinen Töchtern in den Bergen der Monfalconi einen bleibenden Namen verschaffte.

Campagnile di Val Montagnaia beim Aufstieg

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