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Dolomiten Die wilden Routen
Campanile di Val Montanaia (2.173m) - der unlogischste Berg der Alpen
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Bild links: Endlich ist er sichtbar, der Campanile. Aber die Aussicht täuscht, der Weg bis zum Einstieg ist noch recht weit.
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Kommen wir zurück ins Jahr 1902. Reschreiters Illustrationen im Jahrbuch des DÖAV weckte Begehrlichkeiten und so dauerte es
nicht lange, bis die ersten Anwärter unter dem Campanile standen. Dies waren die Triestiner Napoleone Cozzi und Alberto Zanutti, die am 07.September 1902 einen ersten Versuch starteten und auf der
Südseite des Turms aufstiegen. In der heutigen Aufstiegsroute, allerdings stockte der Aufstieg kurz vor dem im Bild deutlich zu sehendem Ringband. Zwar konnte Cozzi noch einen heute mit dem fünften Grad
bewerteten Riß klettern, jedoch das wenige Meter darüber liegende Ringband erreicht er nicht. Der Riß aber trägt seitdem seinen Namen - Cozzi Riß.
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Bild links: Verlauf der Route und Standplätze. Hier hatte ich die Route ursprünglich zu weit rechts gezeichnet, die
korrigierte Fassung des Routenverlaufs stammt von Jürgen Leitz, der die Route im Sommer 2010 (mit meinem Topo!) klettern konnte. Die schwierige Stelle befindet sich unterhalb des Ringbandes und ist auch
noch die kürzeste Seillänge, steigt man sie so, wie wir dies getan haben, nämlich direkt, so wird der sechste Grad erreicht. Der Cozzi Riß ist ein etwa 15m hoher Riß unterhalb des Ringbandes. Danach kann
man sich entscheiden, weiter auf der Route der Erstbegeher - das bedeutet dann einen Quergang nach links bis um die Kante des Turms, dann folgt man einem weiteren Riß und man erreicht das Ringband. In
diesem Fall sollte man allerdings einen Zwischenstand machen (im Bild: SZ1). Wir gingen allerdings die direkte Linie. Freikletterei ist hier angesagt, auch wenn zwei Haken stecken. Einen kleinen Überhang
gilt es auch noch zu überwinden - zwar gutgriffig, aber von erstaunlicher Ausgesetzheit. Aber kommen wir zurück zum Jahr 1902, als Cozzi an dieser Stelle den Rückzug antrat.
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Eine andere illustre Seilschaft hatte dieser Berg in der Zwischenzeit angezogen und schon stiegen am nächsten Tag, den 08.
September 1902 die beiden Österreicher Viktor Wolf von Glanvell und Günter von Saar über das Val Montanaia auf. Zunächst wollten die beiden die Cima Toro erstbesteigen, doch leider waren die Münchner
Paul Hübel, Oskar Uhland und Adolf Eichinger bereits Monate zuvor, am 30. Juli 1902 auf dem Gipfel angekommen, Karte und Steinmänner hatten sie zurück gelassen als Zeichen ihres Erfolges. Dennoch
hatten sie in gewisser Weise Erfolg zu vermelden: Beim Studium des Berges stellten sie fest, daß dieser wohl noch nicht erstiegen war, lediglich ein Steinmann den Cozzi am Stand unterhalb des nach ihm
benannten Risses errichtet hatte zeigte den Umkehrpunkt der Italiener. Und das Fernglas zeigte ein weiteres Band und links daneben einen Riß, der zum ersehnten Ringband führen würde.
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Bild links: Uwe in der dritten Seillänge, die trotz des gemäßigten Schwierigkeitsgrades von 4+ dennoch einiges an
Überwindung kostet, denn der Weg ist nicht ganz leicht zu finden. Die Möglichkeiten natürlicher Sicherung sind recht gering, also heißt es: Augen zu und durch. Am besten passen immer noch Camalots und
gelegentlich Sanduhren, Keile sind in der Route dagegen fast nutzlos, ich habe keinen einzigen unterbringen können. Aber wenigstens haben sie mal den Campanile gesehen. Die Aussicht fanden sie übrigens
auch klasse. Und Schrammen haben sie - so am Gurt hängend - auch keine bekommen. Aber zurück zur Route, ganz so brüchig, wie es das Bild links vermuten ließe, ist die Route natürlich nicht. Die
sicherlich berühmteste Route der Gruppe ist einigermaßen abgeklettert, was durchaus angenehm erscheint.
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Bild links: die vierte Länge, eigentlich nur eine - bei der Tour de France würde man sagen “Überführungsetappe”
in die fünfte und Schlüsselseillänge. Leichte Kletterei im zweiten und dritten Grad. Dann kommt die Schlüssellänge, beginnend mit dem Cozzi Riß.
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Es galt keine Zeit mehr zu verlieren, hielten sich doch auch genau zu dieser Zeit der bereits erwähnte Dr. Fritz Koegel und
sein Führer Joseph Both in der Gegend auf, deren Absichten wohl ebenso klar auf den Campanile gerichtet waren. Allerdings mußten unsere Berghelden zunächst noch kapitulieren - nicht vor dem Berg
sondern vor den blutsaugenden Mücken an der Casera Meluzzo im Val di Cimoliana, die - und das war selten zu jener Zeit - ihre Ehefrauen dort hinterlassen hatten. Daher ging es zurück nach Cimolais, wo
sie im Gasthof Albergo alla Rosa abstiegen. In der bis heute noch existierenden Herberge trafen sie auf die Italiener Cozzi und Zanutti, die zum Ausgleich für ihren Rückzug am Campanile am Monte Duranno
eine neue, schwierige Route klettern konnten. Am Abend schließlich kamen die beiden Seilschaften miteinander ins Gespräch und erfuhren interssante Details über die Route - man munkelt, Glanvell hätte
öfters Wein nachbestellt. Und eine neue Methode soll ihm Cozzi verraten haben, er hatte einen Fleischerhaken, an dem er ein Seil befestigt hatte, damit soll er sich von der zuletzt erreichten Stelle
zurück gezogen haben. Quasi ein Vorläufer des Skyhooks, der damals zum Einsatz kam.
Nach diesem Abend jedenfalls machten sich die beiden samt Ehefrauen auf den Weg nach Domegge di Cadore, um von der
Nordseite aus dem Piavetal zur Casera Pra di Toro aufzusteigen (in etwa beim heutigen Rifugio Padova), wo ihre Frauen einigermaßen frei von den lästigen Blutsaugern auf der Südseite Station beziehen
konnten. Unsere beiden Protagonisten hingegen stiegen gleich danach, am 17. September 1902 über die Forcella Montanaia auf die Südseite der Gruppe, wo sie bereits um 9.30 Uhr am Sockel des Campanile
ankamen.
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Bilder oben links und links: Aus der sechsten Seillänge. Man befindet sich bereits auf der Westseite des Turms und der
weitere Weg weg vom Band ist durchaus nicht einfach. Zumal die Absicherung in den letzten Seillängen schlicht und ergreifend nicht mehr vorhanden ist, ab hier heißt es: Alles selber legen. Aber auch hier
sind die Möglichkeiten nicht sonderlich häufig, ein gutes Auge für Sanduhren und Klemmgeräte ist wichtig, will man oben zumindest einen Hauch einer Sicherung haben.
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