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Dolomiten
 Die wilden Routen

Campanile di Val Montanaia (2.173m) - der unlogischste Berg der Alpen

Panorama Seite 4
Band am Campanile di Val Montanaia
Gegenüber des Campanile

Bild links: Blick zurück um die Ecke, unter der die Schlüsselseillänge, also die fünfte Länge liegt.

Während die ursprüngliche Route von Glanvell und Saar nach dem Cozzi Riß ein ausgesetztes Band verwendet und auf diesem nach links quert um anschließend einen wieder leichteren Riß im vierten Grad zu erreichen, wird die Route heute meist auf einer neueren Variante geklettert. Diese hat zwar Schwierigkeiten im unteren sechsten Grad aufzuweisen, dafür erspart man sich Seilzug, da diese Variante nach dem Cozzi Riß einfach direkt weiter senkrecht nach oben zieht und direkt das Ringband erreicht. Dafür ist die Kletterei durchaus anstrengend und sehr ausgesetzt, aber ausgesetzt soll die so genannte Saar Traverse ja auch sein....

Für die neuere Variante wird dafür noch eine leichte Seillänge am Band eingeschoben, zunächst dritter Grad, ab dem im Bild sichtbaren Stein dann lediglich noch Gehgelände. Irritierend ist dagegen ein relativ guter Stand vor der Kante, doch das Gelände nach oben hin sieht böse schwer aus. Aber keine Angst, es gehört zu einer anderen Route und die Quergangsseillänge ist wirklich fast komplett zu gehen, man erreicht also erst nach 50m Quergang nach links den richtigen Stand. Und von da ab sieht das Gelände dann auch weit freundlicher aus, also tatsächlich nur oberer vierter Grad.

Bild links: Blick von der Westseite des Campanile in Richtung Westen. Eigentlich war optimales Wetter angesagt, die Wolken machten mir allerdings etwas Sorgen. Zum Glück waren die unbegründet, denn genau so schnell wie sie aufgezogen waren, waren sie auch fast schon wieder weg.

Bild rechts: Ablaufendes Seil in der siebten Seillänge. Unschwer zu erkennen ist die Tatsache, daß kaum einmal eine Zwischensicherung das Auge stört. Dabei liegt das nicht dran, daß ich ein Held wäre, aber es läßt sich nur wenig anbringen. Dafür ist der Fels recht fest, was immerhin für eine gewisse Sicherheit sorgt.

Wer den Weg vom Rifugio Padua auf der anderen Seite über die Forcella Montanaia schon einmal gegangen ist, der weiß wie mühsam dies ist. Das - wie es heißt Glanvell und Saar nach nur kurzer Rast in die Südwand des Turms einstiegen zeigt, daß sie recht fit gewesen sein müssen. Aber auch das Fortkommen in der Wand lief recht gut, hatten sie doch keine Probleme mit der Wegfindung. Cozzi hatte bei seinem Versuch seinen Weg mit roter Kreide markiert. Also kamen sie recht schnell zum Umkehrpunkt der Italiener.
Von Saar kletterte den Cozzi Riß und fand den Quergang, der seitdem “Saar-Traverse” heißt und kletterte den anschließenden Riß bis zum Ringband in einem Zug.

Damit war der Weg nach oben frei. Sie erreichen den Gipfel, müssen jedoch wegen einem Gewitter schnell wieder den Rückzug antreten. Sie erreichen das Ringband, schlagen dort einen Haken und lassen sich bis zum Cozzi Riß ab, danach wird wieder teilweise abgeklettert. Gegen 17.00 Uhr stehen sie wieder am Einstieg und machen sich auf den langen beschwerlichen Weg zurück nach Pra di Toro (Rifugio Padova).

Bild rechts: Sicherheit am Stand hat man nicht überall in den Dolomiten, hier aber hat man sich erbarmt und zwei sichere Standhaken an jedem Stand einbetoniert. Immerhin, bietet die Route doch sonst kaum einmal Zwischensicherungen.

Ablaufendes Seil
Standhaken
Stand vor 8. Seillänge
Gipfelbereich Campanile di Val Montanaia

Bild links: Gipfelzigarette ohne Gipfel, da geraucht am Stand der letzten Seillänge. Aber die vor uns liegenden Italiener seilten gerade ziemlich laut und ziemlich unklar über die letzte Seillänge ab und Steinschlag wollte ich mir ersparen, daher hatten wir einen kurzen Aufenthalt, bis deren Seile abgezogen waren und wir losklettern konnten.

Zwar verbreitete sich die Nachricht über die Erstbegehung des Campanile di Val Montanaia recht schnell, aber dennoch dauerte es bis ins nächste Jahr, als die Seilschaft Hübel und Uhland am 02. August 1903 die zweite Begehung verbuchten.
Die dritte Begehung war dann auch gleich die erste Damenbegehung, und dies von den ebenfalls bergbegeisterten Ehefrauen von Wolf Viktor von Glanvell und Günther von Saar. Am 21. August 1904 erreichten Mary von Saar und Titty Angerer den Gipfel, weitere zwei Deutsche Seilschaften sicherten sich die vierte und fünfte Begehung.
Der Erfolg der beiden Erstbegeher war perfekt, ihr Ruhm auf dem Gipfel. Leider sollte er nicht allzu lange anhalten.

Bild links: Auf dem Gipfel des Campanile di Val Montanaia.

Leider verabschiedet sich der Gipfel am letzten Stand (im Bild) schnell von seiner Kompaktheit. Daher ist es durchaus sinnvoll, ein Geländerseil dort zu fixieren und die 10m direkt zum Gipfel zumindest spärlich gesichert zu gehen, denn ein Fehltritt wäre hier sicherlich fatal. Ist man dann erst mal oben, so kann man dann in Ruhe sitzen, sich ins Gipfelbuch eintragen und traditionell an der Glocke bimmeln. Aber das sieht man alles auf der nächsten Seite, zu der man mit einem Klick auf das unterste Bild dann auch kommt!

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