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November

Dolomiten
 Die wilden Routen

Campanile di Val Montanaia (2.173m) - der unlogischste Berg der Alpen

Panorama Seite 7-1
Wasserfall im Val Cimoliana
Panorama im Val Cimoliana
Flußbett Val Cimoliana
Blick ins Val Cimoliana im unteren Teil
Abendstimmung im Val Cimoliana

Bild links: Im unteren Teil des Val Cimoliana. Dort hat die Straße noch einen Teerbelag, aber eng ist sie schon hier. Allzuviel Verkehr sollte daher bei der Auffahrt nicht herrschen.

Die vier Bilder unten auf der linken Seite: Eindrücke aus dem Val Cimoliana. Keine Bergbahn, kein Bus, keine Bude mit Ansichtskarten oder sonstigen Nippes stört die Ruhe des Tals. Hier kann man nachvollziehen, wie sich die Bergsteiger vor über hundert Jahren gefühlt haben, einer der wenigen Orte der Dolomiten, in denen dieses Gefühl noch nachvollziehbar ist.

Noch vor Tissi - im September 1922 installierten 22 venezianische Bergsteiger die Glocke am Gipfel und 1928 hatte der Turm schon mehr als 100 erfolgreiche Seilschaften gesehen.
1930 feiert die Sektion Pordenone des CAI (Club Alpino Italiano) die Einweihung seines Schutzhauses, welches die zahlreichen Aspiranten für den Gipfel des Campanile beherbergen soll.
Die Berge rechts und links des Campanile werden dagegen mit Verachtung gestraft - bis zum heutigen Tag. Nur wenige Routen findet man rechts und links in den Wänden Monfalconi. Eigentlich zu Unrecht, findet man doch hier noch etwas, was anderswo schon längst verloren ist - das echte alpine Abenteuer.

In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden schließlich noch einige Routen erstbegangen, doch schnell legte sich das Interesse an dieses Bergen wieder.
Dann die 90er, Mario Meneghin erschließt am Sockel der Cridola einige so genannte Baseclimbs, also Routen ohne eigentlichen Gipfel - aber: Bester Fels, vom Wasser sauber gewaschen und damit auch der größte Nachteil der Routen: Hat man Wasser drin, so wird man schnell feststellen: Der beschwerliche Weg auf der anderen Seite der Gruppe, nämlich vom Rifugio Padova aus in Richtung der Cridola war umsonst gewesen. Wärmstens zu empfehlen sind hier die Routen “Dino e Maria” und “Bruno”, die beide am Sockel der Cridola starten.

Das Rifugio Padova, auf der Nordseite der Berge liegt ebenso wie das Rifugio Pordenone auf dessen Südseite unweit der Straße, nur etwa 10 Gehminuten sind jeweils zu absolvieren, um von den Parkplatzen zu den Hütten zu kommen. Und der Pra di Torro genannte Ort, das Ende der Straße bietet schon wenige Meter nach dem Parkplatz beeindruckende Landschaftsbilder: Grüne Wiesen über abweisenden, schroffen Bergen. Doch leider erhält die Nordseite (weil die Anziehungskraft des Campanile di Val Montanaia fehlt) noch weniger Besucher als die Südseite und hätte das Rifugio Padova nicht seine Essensgäste, die sich an schönen Tagen die schmale und schwierig zu fahrende Straße (teilweise ohne Ausweichstellen) heraufquälen, so wäre vermutlich auch diese Hütte längst geschlossen. Lediglich der Campanile Torro wird von dieser Seite gelegentlich bestiegen, sonst hingegen sieht kaum einmal ein Mensch diese Berge.

Und streng genommen trägt das Rifugio Padova seinen Namen zu Unrecht, hat doch der CAI seine Hütte an die Gemeinde Domegge di Cadore zurück gegeben, man wollte nichts mehr investieren. Jetzt trägt die Gemeinde die Kosten und die EU sorgt mit ihren Mitteln für die gelegentliche aber dringende Reparatur der alten Militärstraße ohne die das Gebiet gar gänzlich menschenleer würde - was eigentlich jetzt bereits erreicht ist, denn nach dem Parkplatz und der Hütte sieht man - wenn man Glück hat, den ganzen Tag keinen Menschen mehr. Auf der Hütte hofft man auf die Deutschen, “die lieben die Berge” sagen sie dort. Aber sie bleiben weg, bis heute.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Campanile di Val Montanaia, dem der Bergmaler Edward Theodore Compton den Titel des unlogischten Berges der Alpen verlieh wohl einer der bekanntesten Gipfel. Heute kann man auch jene, die meinen, sie würden die Dolomiten kennen, nur mit der Nennung des Namens in arge Bedrängnis ob ihrer Fachkenntnisse versetzten.

Die Berge der Cridola und der Monfalconi werden ihre Ruhe behalten, und daran werden auch meine Internetseiten wenig ändern.

Und das ist - abgesehen davon - auch gut so. Inseln der Stille werden sie genannt und das soll auch noch möglichst lange so bleiben.

Bild rechts: Auch wenn es im Bild nicht zu sehen ist: Beinahe wieder ein Kulturschock, wenn man von der Einsamkeit der Monfalconi Gruppe zurück kommt in die Hektik der Tourismusfabrik am Misurina See. Das Bild zeigt die Stille der Sorapis Gruppe, allerdings kann man diese hier nicht sonderlich geniesen - es donnern Busse und Autos zuhauf an einem vorbei. Nach dem Erlebnis Campanile di Val Montanaia ist man hier trotz der Aussicht froh, wieder in sein Auto einsteigen zu dürfen und der Hektik zu entfliehen.

Sorapis

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