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        by Jürgen Kremer

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 Die wilden Routen

Cima Del Coro (2.670m) - SW-Wand (Gadenz)

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Die gewaltige Mauer der Marmolada Südwand
Die Cima del Coro im grellen Licht der Abendsonne

Bilder oben: Bis zur Marmolada Südwand reicht der Blick auf der Rückseite der Cima Del Coro. Dabei vergißt man schnell, daß auch der Rückweg noch seine Tücken bietet. Das Durchkriechen durch das Felsenloch bis zur Nordseite, die undeutlichen Wegspuren bis zum Abseilen und die Schlucht, durch die man an den Einstieg kommt, in der allerdings keine andere Seilschaft über einem werkeln sollte.
Wir finden unsere Rucksäcke ohne Probleme wieder an unserem Depot vor dem Einstieg, allerdings bemerken wir schnell, daß der Tag heute länger werden wird. Wir sind noch nicht im Tal! Die phantastische Kulisse verschönert die Lauferei, auch wenn die Kniegelenke einen kürzeren Rückweg fordern. Dennoch: Beim fast euphorischen Weg ins Tal, der langsam der inneren Ruhe weicht wird mir klar: Wir haben heute was besonderes gemacht. Reinhard Karl spricht hier von der “Glasvitrine”, ein ähnliches Gefühl beschleicht mich auch. Man wird dieses gleiche Gefühl kaum jemand vermitteln können, wohl kaum wirklich beschreiben.

Und: Es wird wohl auch nicht mehr so empfunden werden... wir hatten zwei junge Östereicher hinter uns, wir liesen sie passieren, weil uns unser Unterfangen des Hinter-uns lassens wohl sofort klar war als Zeichen der Unmöglichkeit. Ich denke sie sind ausgestiegen, als wir die dritte Seillänge erreicht hatten...

Wir werden unsere Leistungen messen lassen müssen nicht nur an guten Kletterern, sondern an besseren! Dies ist allen Protagnisten klar, dennoch fällt die Realisation dieser Tatsache meist schwer. Der Sinn ist aber nicht das messen, der Sinn ist die eigentliche Tat. Die jungen Östereicher waren am Morgen um sechs in Insbruck aufgebrochen, in die Pala gefahren, sind den vier Stunden langen, beschwerlichen Aufstieg in gerade mal eineinhalb Stunden hochgerannt und müssen bereits gegen Zwölf das Ausstiegsband erreicht haben, vor allem deshalb, weil sie wohl auch zum größten Teil parallel geklettert sind, was allerdings, da in der Führe kaum Haken stecken und sie keine Keile dabei hatten, wohl auch ein hohes Risiko in sich birgt. Da ich annehme, daß sie zum Kaffee bereits wieder in Insbruck waren muß ich trotzdem meinen Respekt zollen - wir sind wohl hier auch auf Ausnahmeathleten gestoßen.

Aber auch wir waren irgendwann im Tal und das erste kühle Dosenbier hatte ich für nichts eingetauscht...

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