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November

Dolomiten
 Die wilden Routen

Monte Brentoni (2.548m) - SW-Wand (Cipriani): “Nebelland”

Bild links: Tiefblick nach Pieve di Cadore. Links davon (im Bild nicht sichtbar) befindet sich die zentrale Marmarole Gruppe.

Das Bild links ist nahe des Einstiegs aufgenommen. Was gleichzeitig auch bedeutet: Man ist recht früh aufgestanden, hat sich bei halber Dämmerung mit Unwillen noch etwas Kaffee und Brot in die Kauleiste geschoben und ist in der Zwischenzeit fast schon drei Stunden den Berg hochgelaufen. Was einem einen Abbruch des Unternehmens auch noch einmal gehörig überdenken läßt! Auch bei uns war dies nicht anders, wir wollten einsteigen. Reicht die Zeit?

Bild rechts: Stefan in der vorletzten (der Schlüsselseillänge) der Route “Nebelland”

Aber zurück zum Anfang: Ob die Zeit noch reicht, dafür sind dann ja gute Freunde und die moderne Kommunikationselektronik von entscheidendem Vorteil. Wir wußten bereits: Das Tief kommt direkt von Westen, wir waren im östlichsten Bereich der Dolomiten. Dann zückte Stefan sein Mobiltelefon und brüllte (um dem aufkommenden Wind zu widerstehen) in selbiges: “Kuck mal auf das Regenradar, wo regnet es schon?”. Bald war klar: Vier Stunden würden wir auf jeden Fall noch haben, das sollte reichen über die 10 Seillängen und das Schrofengelände am Ausstieg, von dem wir allerdings nicht sicher waren, ob man dort sichern müssen würde.

Das kaum Wandbilder entstanden sind liegt auch an unserer unbestimmten Angst, es doch nicht mehr rechtzeitig schaffen zu können - kurzzeitig blies der Wind bereits Nebelfetzen in die Route, die dann plötzlich zum Rätsel wurde - um im nächsten Augenblick wieder aufzumachen und den Blick auf die nächsten Seillängen frei zu geben. Glücklicherweise befinden sich Verscheidungen in der Route. Sie geben stets gute Anhaltspunkte - wir waren richtig!

Nach oben hin verläuft die Route nach der Schlüsselseillänge im Schwierigkeitsgrad 6- in sanftes Gelände aus - hier sind noch einige Absätze im vierten Grad und dann der Gradrücken im zweiten Grad zu bewältigen - obwohl wir fast bis oben sicherten, war dies eigentlich nicht mehr notwendig, wir waren nur noch nicht ganz sicher, wirklich alles geschafft zu haben. Bei gutem Wetter hingegen kann man die Seile aber getrost zusammen legen und die letzten Meter zum Gipfel seilfrei steigen.

Bild rechts: Stefan in Gipfelnähe. Auf dem Gipfel befindet sich ein kleines Kreuz und eine Kassette.

Bild links: Der Monte Brentoni

Die Route “Nebelland” leitet in etwa an der linken Kante (es handelt sich aber nicht um Kantenkletterei, der Aufnahmestandpunkt ist nur ungünstig). Die Schwierigkeiten sind zum Großteil moderat und der Fels bietet viele gute Möglichkeiten zum Anbringen eigener Sicherung. Die auffällige Verschneidung im Mittelteil (5+) und die vorletzte Seillänge (6-) bringen die Hauptschwierigkeiten, der Rest bewegt sich im vierten und auch dritten Schwierigkeitsgrad. Lediglich das Finden der Route stellt hohe Ansprüche an das Gespür der Begeher.

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