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Morgengrauen im Valle d’Ambata. Grauen im wahrsten Sinne des Wortes: Was war passiert: Ich hatte
Walter, damals noch blutiger Anfänger, dazu überredet, mit mir eine Tour in den Dolomiten zu machen. Das ich eine Erstbegehung vor hatte wußte er zwar, wahrscheinlich war er sich der Tragweite seiner
Entscheidung bis dato allerdings noch nicht vollkommen bewußt. Was er nicht wußte (als er einwilligte) war, daß ich die Wand noch nie mit eigenen Augen betrachtet hatte. Ein etwas verschwommenens Bild in
einem Kletterführer genügte mir damals um zu sagen: Da geht eine Erstbegehung, nicht weil ich mir sicher war, nein, weil einfach genügend Platz dafür da war. Das nächste Problem: Walter hatte einfach
keine Zeit, ich auch nicht: Seine Frau im Krankenhaus, noch mal Samstag besuchen gehen, gut so, danach kam er bei mir vorbei. Kann ja auch reichen. Sechs Stunden runterfahren, sind wir um fünf Uhr unten,
dann aufsteigen zur Biwakschachtel (noch mal 3 Stunden), dann ist es acht Uhr, haut gut hin, Sonntag Tour klettern und absteigen und wieder heim fahren. Könnte gehen.
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Blick von unserm Biwakplatz. Genau richtig waren wir, direkt unter dem Braunschweiger Turm, über dem wir
“unsere Linie” ziehen wollten. Der Rißkamin auf der linken Seite war schon begangen, aber ich wollte eine Linie durch den zentralen Wandteil finden, etwa in Bildmitte. Näher betrachtet
zeigten sich da schon einige Rißspuren, im Vorbau sowieso. Also mal da raufklettern und sehen, ob es weitergeht. Ohne Frühstück steigen wir die 15 Minuten gar empor, unser Zeug ließen wir einfach auf dem
Biwakplatz liegen, wir kommen ja wieder vorbei und die Gegend ist so einsam, mitnehmen wird das wohl auch keiner.
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Bild aus der Wandmitte, eine Seillänge oberhalb des Bandes nach unten. Die Wand ist mit vielen Rissen
durchzogen, ideales Gelände für Klemmkeile und Friends. Haken schlage ich nur an den Standpläten, Bohrhaken habe ich gar keine dabei. Getreu dem Motto: Der Bohrhaken ist der Mord am Unmöglichen (Reinhold
Messner) möchte ich auch meine Tour nicht durch Bohrhaken erzwingen, es soll eine natürliche Linie werden. Durch die Risse, die sich immer wieder bieten angespornt, schlage ich keinen einzigen
Zwischenhaken. So wird es zusätzlich auch noch eine “cleane” Begehung!
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Trotzdem sagen mir die Wolken gegenüber: Jetzt aber Gas geben! Ich zähle noch mal schnell die Haken, die ich
noch habe, ja, könnte gerade so reichen, um wieder runter zu kommen, wenn ich die Haken an den Ständen, die ich belassen habe wiederfinde, dann reicht es sowieso. Trotzdem die Frage: Weiter oder wieder
runter?
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Ging aber nicht so weil.... Wir Stau hatten und erst noch suchen mußten wo es denn hoch geht und dann
erst um halb acht Uhr da waren, wo wir hätten schon drei Stunden eher sein sollen. Der Weg endete dann auch noch ich Nichts, heikler Aufstieg im Sodder in einem Wasserfall, bald waren wir naß und
ziemlich fertig. Oben war ja die angedrohte Biwak-Schachtel, also weiter! Bald darauf wurde es neblich, man sah kaum mehr die Hand vor Augen, dunkel wurde es dann auch noch! Wir liefen den Weg weiter,
bis er sich in einem Schuttfeld verlor. Als das Schuttfeld dann steiler wurde, sagte ich dann: “Wir müssen sehen, daß wir zum nächsten geraden Grasflecken kommen, da schläft es sich wenigstens
einfacher, morgen werden wir dann eben sehen, wo wir überhaupt sind”. Gesagt, getan, in der Nebel-Suppe entdecken wir noch eine Stelle, an der sich gerade und nicht in der Greöllhalde auf Gras
schlafen läßt. Wie wir später feststellten, die einzige Stelle und wie wir am nächsten Tag feststellten: Die optimale Stelle! Wir waren direkt unter dem Einstieg unseres Turms!
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Blick nach unten, im unteren Teil der Führe. Ich hatte schon die beste Stelle gewählt, aber eine
Dolomitentour ist halt nun mal keine Spazierfahrt, noch dazu, wenn sie unbegangen ist. Auf den Bändern liegt unwahrscheinlich viel Schotter, ich muß aufpassen, daß ich das Seil richtig führe und Walter
nicht erschlage. Die Risse sind allerdings dafür, daß hier noch nie ein Mensch Hand angelegt hat, erstaunlich fest, eigentlich fast traumhaft fest, man lese dazu den Kommentar von Emilio Comici, als er
seine “Gelbe Kante” erstbeging, da muß das wohl anders ausgesehen haben.
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Bild vom Stand vor der Schlüsselseillänge, diese bietet ein kleines Rißüberhängchen, aber das geht
schon, ich würde die Schlüsselseillänge etwa mit 6-/6 einstufen. Seltsam, daß man doch immer noch so relativ leichte Erstbegehungen findet.
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Walter unterhalb des Rißüberhangs im oberen Wandteil. Es kann maximal eine oder zwei Seillängen noch bis
oben sein, die Sonne scheint auch noch, wenn das Wetter noch ein wenig hält, dann kann da nichts ober sagen wir besser: wenig mehr schiefgehen.
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