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November

Dolomiten extem
 Die Routen für den Könner

Die “Schober/Rossi” am Ersten Sellaturm (Sellagruppe)

Bild: Panoramablick am Ersten Sellaturm

Morgens in der Sellagruppe. Nein, nein hier wollten wir an diesem Tag sicherlich nicht einsteigen: Der Langkofel: Die meisten Routen hier bieten 1000 oder mehr Klettermeter, sind erst spät im Jahr trocken und samt und sonders extrem schlecht gesichert. Die Kletterei bewegt sich viel in recht unangenehmen, ruppigen und brüchigen Kaminen und Rissen. Insgesamt alles also recht unappetitlich und auch wir hatten heute keinen Appetit drauf. Also verlegten wir uns an diesem Tag auf deutlich entspanntere Ziele.Die Routen am ersten Sellaturm bieten solch entspanntere Art des Kletterns. Mit einer Wandhöhe von gerade mal 200m, einer Abseilpiste über die Westkante, dem kurzen Zustieg vom Sellapaß, der südseitigen Lage ohne nasse Kamine oder sonstigem Unbill des alpinen Kletterns bieten sie ein angenehmes alpines Ambiente ohne großen Streß und Rucksackgewuchte. Die können nämlich brav am Einstieg stehen gelassen werden, auch die Schuhe können unten bleiben. Höchstens einen kleinen Daypack-Rucksack mitnehmen - für das verdiente Gipfelbier!

Ulli Prinz in der zweiten (eigentlich der ersten Seillänge, unten nur Vorbau) Seillänge der Schober-Rossi Führe. Die erste (oder zweite) Seillänge ist dann auch gleich die schwerste, ein unangenehmer Quergang im Grad 7- wartet da auf den geneigten Dolomitenkletterer. Dieser fängt an dieser Stelle dann auch gleich ein klein wenig zu fluchen an, da die vielen Ecken und Windungen in dieser Seillänge und die hier noch recht häufig anzutreffenden Haken den Seilzug zu einer nicht unerheblichen Größe bei der Bemessung des Schwierigkeitsgrades werden lassen. Doch nach erfolgreicher Begehung dieser Länge staunt der erfahrene Dolomitengeher: Was ist das? Waren hier vor Jahren noch Rostgurken der besonderen Art anzutreffen, die den Standplatzbau die einer größeren Verknotung werden ließen: Heute blicken an jedem Stand zwei einzementierte Edelstahlringe. Wenn auch die Behakung nach der ersten Seillänge sehr stark nachläßt - die Standhaken zumindest sind eine “Bank”, geben angenehme Sicherheit.

Ein Panoramablick in der Mitte der Tour, dort, wo die Haken langsam dünner werden. Gut, dann auch meist nur 5er Gelände, fallen möchte ich dort trotzdem nicht. Und wen treffe ich dort wieder? Meinen U-Hartstahlhaken. Gut die Seillänge zwar nur 5-, aber ohne eine einzige Sicherung? Das war mir vor 8 Jahren zu gefährlich. Also wieder runter, Haken eingepakt und wieder hoch. Haken geschlagen (Friend und Klemmkeile halten in dem ungewöhnlich geschlossenen, kompakten Sellafels gar nicht bzw. sind gar nicht unterzubringen) und dann die Seillänge gemacht. Und auch diese U-förmigen Hartstahlhaken sind eigentlich ungewöhnlich für Dolomitenfels, die sind eigentlich für Granit gedacht, in den Dolomiten finden normal nur Weichstahlhaken Anwendung, weil die Risse meist nicht gerade nach hinten gehen, der Haken muß sich also biegen können. An dieser Stelle paßte nur dieser Haken. Und das wie die Faust aufs Auge. Immerhin, er ist bis heute noch da und ich schätze fast, daß manch einer auch froh war, ihn einzuhängen. Nur daß ich damals nochmals runter mußte, um genau diesen Haken zu holen, daß hat mich dieses Mal - beim Vorbeiklettern - wieder geärgert...

Irgendwie wie im Märchenland....
Blick vom Gipfel des ersten Sellaturmes rüber zum Langkofel.
Das bunte Treiben unten am Sellapaß wie Ameisen, die Autos und Häuser wie auf einer Modelleisenbahn so angeordnet, daß man da eigentlich nix mehr - aus Sicht des Modelleisenbahnbauers - dran ändern müßte um es noch schöner zu machen - Zeit, um ein klein wenig die Seele baumeln zu lassen.

Aufregend war aber noch eine andere Geschichte, nämlich den “Plattenspieler” am zweiten Sellaturm am gleichen Tag noch zu versuchen. Also, um die Kante rumgelaufen, aber, obwohl ich den Einstieg vor Jahren noch von der “Messner” kannte knallhart verkehrt eingestiegen. Wobei dann Ullis Knie auch noch durch einen Stein empfindlichen Schaden nahm. Nun, er war am nächsten Tag zumindest wieder fit, ich hingegen hatte durch eine Magengeschichte nicht mehr den richtigen Zug, um noch groß anzupacken...
Aber dies ist dann eine ganz, ganz andere Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll...

Hier im Bild: Der Ciavazes-Stock im Morgenlicht.
Auch ein beliebter Kletterberg in der Sella - weil - die Straße ist nicht weit. Meist wird nur bis zum so genannten “Gamsband” gegangen, dies ist das große Band in der Mitte des linken Bildes. Von dort kommt man bequem wieder zurück zum Auto und die Touren beschränken sich auf ein nettes Maß von ca. 250 Höhenmetern, so daß man auch noch zu vorgerückter Stunde einsteigen kann. Richtig interessant - aber das vermeiden die meisten - wird es allerdings erst oben. Krasser könnten die Unterschiede in den Dolomiten oder allgemein im Klettern nicht sein. Unten schön, gut gesichert, z.T. sogar Sportklettern - oben eklig, dreckig, brüchig, naß, gefährlich, selbst zu sichern, Kamine, also alles, was das Herz begehrt. Jeder sucht sich raus, was er haben will. Nur klettern tun alle unten...)

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