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        by Jürgen Kremer

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November

Dolomiten extem
 Die Routen für den Könner

Die “Hasse-Brandler” an der Großen Zinne (Drei Zinnen)

Ich war noch in der Probezeit, Ernst mußte beim Zivildienst immer Wochenenddienste machen. Ein halbes Jahr vorher hatten wir uns dieses Wochenende für unser Projekt, die Hasse/Brandler/Lehne/Löw an der Nordwand der Großen Zinne, ausgemacht. Das die Wettervorhersage alles andere als gut war, störte uns damals wenig. Es könnte am Samstag vielleicht halten, außerdem gab es kein anderes Wochenende in diesem Jahr mehr, schließlich war es schon Anfang September! Prozedur die gleiche, wie bei allen anderen Zinnen Aufenthalten: Freitag nachmittag los und nachts, ohne die 30.000 Lire Maut zu bezahlen hoch auf einen Parkplatz knapp unterhalb der Auronzo Hütte. Früh, bevor die ersten Kassierer hochkamen, zusammenpacken, Auto an der Auronzo Hütte abstellen und los ging es!

So sieht das aus, wenn man um die Ecke an der kleinen Zinne herum läuft, grau, unwirklich steil. Es hätte uns ja eigentlich bedenklich stimmen sollen, daß keine anderen Nordwand Anwärter vorhanden waren, nicht mal welche für die leichtere (4+) Dibonakante (NO-Kante). Den einzigen, den wir trafen, war ein etwas verschroben aussehender Bergführer mit zwei Kunden, die augenscheinlich die Klettersteige am Paternkofel beim Rückweg von der Drei Zinnen Hütte noch gemacht hatten. Er fragte, fast schon an uns vorbei uns unwirsch und in einem mir gar nicht passenden Befehlston: “Was wollt ihr machen?!”. Ich sagte gar nichts, ich hatte andere Sorgen, ist die Wand trocken, wird das Wetter halten....

Während ich weiterlief, blieb Ernst kurz stehen, von diesem barschen Ton ziemlich verdutzt und brummelte: “Hasse-Brandler”, worauf der Bergführer weiter in seinem barschen Befehlston von sich gab: “Braucht ihr gar nicht einsteigen, in zwei Stunden regnet es”. Als wenn ich das nicht auch selber schon gewußt hätte, daß das passieren kann. Ich drehte mich kurz um und warf Ernst einen fordernden Blick zu, bis der sich ebenfalls umdrehte und hinter mir herdackelte, ohne den Bergführer weiter zu beachten. Ich hätte die Geschichte nicht so ausführlich beschrieben, wenn die Pointe nicht tags darauf gefolgt wäre...

Ernst auf den letzten Metern zum Einstieg. Das die Verhältnisse, gelinde gesagt, beschissen waren, war mir auch klar. Aber ich wollte diese Tour. 1958 in vier Tagen erstbegangen, zählte sie lange Zeit zu den schwersten Führen der Dolomiten, ja der ganzen Alpen überhaupt. Wenn wir das klettern würden, wir würden zu den “ganz Harten” gehören, die Führe hatte bis dato, obwohl sie, wie Goedeke in seinem Sextner Dolomiten Führer schreibt, “zu Recht zu den berühmtesten Routen der Alpen gehört”, noch nicht einmal dreihundert Begehungen. Nicht mal der große Messner stand in der Tourenliste! Die Schwierigkeiten schienen zu überwinden, obwohl sie von unten schwer einzuschätzen waren. Frei geklettert Schwierigkeiten bis 8, allerdings sehr sparsam von Kurt Albert bewertet. Technisch ein schwer einzuschätzendes Risiko, Goedeke schreibt: Wenn Haken fehlen, kann das schnell A3 werden, Minimum allerdings A2. Die Freikletterei wird mit 6- angegeben, wenn alle Haken zur Fortbewegung benutzt werden. Ich wäre gerne bereit gewesen, auch alle Haken zur Fortbewegung zu benützten, Hauptsache, ich bekam die Tour. Hammer und Haken hatte ich unten gelassen, es würde schon irgendwie gehen, wenn alle Haken steckten...

Trotzdem genau rechnen: Wäre es möglich, wieder, den sich in Bildmitte oben befindlichen Pfeilerkopf per Abseilen zu erreichen, schräg abzuseilen, kämen wir irgendwie wieder an die Stände zurück. Im Führer sind Steigklemmen und ein Sortiment Haken empfohlen, hatten wir natürlich alles nicht dabei! Meine etwas schrägen Gedanken wurden unsanft beendet, als mir Ernst an dem beklemmend engen Stand einfach auf den Fuß trat. Ich nahm die Karabiner auf und machte mich an die nächste Seillänge.

Das geht ja wirklich prima los! In der zweiten Seillänge schon der erste Verhauer. Durch die zu lange angegebene Seillänge im Führer irritiert, war ich auf eine wahrscheinliche Abseilschlinge zugeklettert, die mich gleich ziemlich aus der Route rausbrachte. Nach der ersten Aufregung ging es dann flüssiger, der Weiterweg war erkennbar und teilweise auch durch die schon etwas angerosteten, mit Holzkeilen in den Löchern befestigten Haken (sichere Angelebenheit also) klar erkennbar. Peinlich genau betrachtete ich das Wetter und die Wand. Inwieweit war ein Rückzug möglich? Aber eigentlich wollte ich mich mit dem Gedanken gar nicht beschäftigen, nicht etwa, weil ich in dem Moment da hoch wollte, sondern weil ich mir einen Rückzug einfach noch schwieriger vorstellte!

Kein besonders gutes Bild aber nicht anders darstellbar. Ich in der großen Dächertreppe. Für die richtige Darstellung Monitor einfach kurz hinter dem Kopf an die Decke schrauben. Der rechte Wandteil, hier geneigt aussehend, ist leicht überhängend, der Rest hängt einfach nur nach außen. Man vermeidet die großen Dächer und klettert, immer ein wenig nach rechts ausweichend, an ihnen vorbei. Irgendwo in Bildmitte, nur durch die weißen Punkte meiner Tennissocken (igit, is ja überhaupt nicht erotisch) erkennbar, kämpfe ich mich da gerade hoch.

Zur zweiten Seite der “Hasse-Brandler” an der Großen Zinne Nordwand
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