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Klaus in unserer Ausstiegsvariante. Es wurde auf ein Mal wieder schwer. So hatten wir uns das eigentlich
nicht vorgestellt. Und dann, nach der ersten Euphorie, es wirklich geschafft zu haben, die derbe Ernüchterung: Ich muß auch wieder runter. Den Abstieg über die Südseite hatte ich noch so halbwegs vom
letzten Jahr im Kopf - und auch gleich wieder die Zweifel: Wirklich? Wieviel Zeit hatten wir noch? Ich war froh, als Klaus am Ringband angekommen war, zugleich gespannt wie ein Bogen. Wie würden wir auf
die Südseite kommen, kenne ich den Abstieg wirklich noch?
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Blick zurück - ohne Zorn: Die Wand ist gegessen. Nur noch Seile aufnehmen und sehen, wie wir da raus kommen.
Das klappt schon irgendwie und meine Boreal “As” habe ich auch noch zuhause auf dem Speicher.
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Klaus beim Ausstieg zum Ringband. Endlich oben, jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Außer wir fallen noch am
Ringband runter. Abgesehen davon gar nicht mal so unwahrscheinlich, bietet doch das Band einige Kreichstellen nahe am Abgrund. Aber wir wollten ja nicht runterfallen, sondern höchstens runterkommen.
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Es kam, wie vorrauszusehen: Nebel. Zum Glück kannte ich den Abstieg von der Düfler Führe vom Vorjahr. Und
irgendwelche Rißkamine, die sich irgendwo runterziehen, kann ich zum Glück sehr gut mir merken, da hat sich schon mancher gewundert, wie gut, aber Abstiege kann ich mir merken, oft über Jahre hinweg.
Liegt vielleicht daran, daß ich ungern ein Biwak einlege. So fand sich auch der Abstieg in der kurz nach diesem Bild einsetzenden Nebelsuppe, übrigens gar nicht so leicht, weil der Aufstieg über die
Südseite - im Gegensatz zu vielen anderen Normalwegen - auch überhaupt nicht markiert oder sonstwas ist, keine Haken zeigen den Weg. Wer also Nordwandluft schnuppern will, sollte entweder sehr schnell
sein (der Nebel zieht oft schon ab 15 Uhr rein) oder sich den Abstieg schon vorher mal anschauen. Ihn aufs erste Mal und von oben nach der Führerbeschreibung im Nebel zu finden, ist praktisch unmöglich.
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Am Ende des Fahrwegs, dort, wo man in die Zinnen Nordwände reinschauen kann, hören glücklicherweise die
Touristenströme auf, ich glaube, ich wäre sonst bereit gewesen, noch irgendwen, der noch einen weiteren blöden Kommentar über unser Schuhwerk abgesondert hätte, eines auf die Fresse zu geben. Wir sind
dann mit unseren “Schuhen” noch rübergeeiert, haben die Kletterschuhe wieder angezogen (die drückten jetzt ziemlich) und erreichten ein zweites Mal das Plateau vor den Hauptschwierigkeiten.
Siehe da: Der Rucksack stand so da, wie wir ihn verlassen hatten, Kletterer sind doch die besseren Menschen (leider nur manchmal leider nur früher, heute könnte ich diesen Satz nicht mehr bedingungslos
unterschreiben). Wir ziehen uns unser Schuhe an uns seilen ab.
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Nein, nein, keine neue Route an der Großen Zinne im Solo und mit Rucksack: Posing für unsere Nordwand, die
rechts oben irgendwo zwischen dem grauen und dem gelben Teil zum Ende der Hauptschwierigkeiten führt. Ab da ist ein Umkehren theoretisch möglich, bei der Qualität der Haken allerdings nicht anzuraten.
Oder viele Schlingen opfern (um den Rost zusammenzubinden).
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Blick vom Ringband in die Demuth - Lichtenegger - Peringer Führe von 1933. Nur 6-! Mann, sieht das steil
aus! Wir hatten auf jeden Fall viel steileres gemacht, also selber Schulterklopfen und fertig. Genug gekopft, jetzt gefälligst sehen, wie wir da wieder runterkommen. Die Quellwolken nähern sich wieder
bedrohlich nahe, wenn wir Peck haben, sind wir in 20min da drin. Keine Zeit verlieren!
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Die Wand mag vielleicht gegessen sein, aber das ist auch schon alles. Gerade drücken die üblichen
Nachmittags - Gewitterwolken rein. Das gefällt mir aber gar nicht, weiß ich doch, daß sich das Ganze schnell in eine überaus unschöne Suppe verwandeln kann. Jetzt nur weg von hier, und zwar sofort!
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Einigermaßen schauerlich: der Anblick zurück aufs Ringband. Irgendwie denkt man sich da: Was für einen
Schotter habe ich denn da eigenlich geklettert? Egal was für einen, Hauptsache oben und zurück. Die Wolken hatten sich in der Zwischenzeit einigermaßen verzogen, dennoch machte mir die Wolkenfront dort
hinten einigermaßen Sorgen. Wie lange würde es wohl brauchen, bis die da ist. Die erste Wolkenfront, die sich in der Zinnen Gegend aufbaut, hängt normalerweise auch gleich an der Großen Zinne. Der
Abstieg ist dann einigermaßen schwer zu finden, die Kamine auf der Südseite sehen alle gleich aus.
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Erwachen am nächsten Tag. Ein weiterer herrlicher Sonnentag begrüsste uns, war uns aber eigentlich egal, wir
hatten uns einen Traum erfüllt, wir wären genauso fröhlich gewesen, hätte es in Strömen geregnet. Aber halt: Es gab da ja noch ein Problem: Unser Rucksack lag auf dem Plateau unterhalb der ersten
schweren Seillänge, aber zwei Seillängen über dem Wandfuß. Und hatte ich nicht zu Klaus gesagt: “Laß alles da, bis auf Foto und Autoschlüssel”. Ich hatte. Wir hatten keine Schuhe! Wir waren
vom Einstieg der Normalroute der Großen Zinne (rechts im Bild) bis zur Auronzo Hütte (Bildmitte), wo unser Auto stand, über das Geröllfeld und die anschließende Straße (ca. eine dreiviertel Stunde Weg)
in Kletterschuhen, mit heruntergezogenen Fersen gelaufen. Im Auto hatten wir aber kein zweites Paar Schuhe. Also Plan für den nächsten Tag: Den Rucksack holen. Nur wie? Ich kramte im Auto. Heraus kam:
Ein Paar Espandrillos und ein Paar Badeschlappen, die ich für einen gemütlichen Tag am Campingplatz vorsorglich eingepackt hatte. Also los, ich in Espandrillos, Klaus in den für ihn viel zu großen
Plastik-Badeschlappen! Ich höre heute noch die empörten Kommentare der Wanderer auf dem mindestens 4m breiten Fahrweg, die alle in schweren Bergstiefeln unterwegs waren: Schau dir das mal an, was die für
Schuhwerk anhaben, einfach unverantwortlich!
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Abseilen vom Plateau, die gelben Bereiche zeigen an, daß da nie ein Tropfen Regen hinkommt, also den
überhängenden Teil. Das meiste der Tour ist gelb, was waren wir stolz, es trotzdem geklettert zu haben. Noch mehr stolz waren wir allerdings darüber, wieder in normalen Schuhen zu stehen. Wie schnell
einem doch die einfachen Dinge des Lebens wieder Freude machen.
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Flanieren in Cortina, eigentlich hätten wir uns ein Schild umbinden wollen, wir sind die große Zinne
Nordwand geklettert, unten aber das blühende Leben, selbst wenn wir uns das Schild hätten umgebunden, ich denke, niemand hätte es interessiert. Ganz natürlich wieder auf dem Boden der Tatsachen
zurückgeholt: Klar haben wir was tolles gamacht, aber es interessiert eigentich keinen. Und das erste Mal die Idee: Du hast das nicht gemacht, um anzugeben, Du hast die Zinne Nordwand geklettert. Nur um
zu wissen: Du kannst es klettern, die Zinnen sind noch da, wenn ich schon längst die Radieschen von unten anschaue. Nicht um es jemand zu zeigen, die Überwindung des eigenen Ichs, rauszuholen aus sich,
was rauszuholen geht. Wieviel steckt in einem selbst? Man sollte sich die Möglichkeit geben es auch selbst zu entdecken.
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