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Dolomiten extem Die Routen für den Könner
Die “Comici” an der Großen Zinne (Drei Zinnen)
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Große Zinne Nordwand: Der Traum eines jeden Kletterers, früher noch mehr als heute, wo man auch von einem bestimmten
Griff in irgendeinem Boulder glücklich werden kann. Nein, ich wollte ein Sestogardist werden und das ging eben nur über den Umweg der Comici an der großen Zinne. 1991 war die Stunde der Wahrheit gekommen. Eine sehr
persönliche, aber auch mit einem Augenzwinkern geschriebene Geschichte findet hier. Heldengeschichte sehen jedenfalls anders aus...
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Große Zinne Nordwand: Comici. Nur hochkommen war unser Ziel, endlich Sestogardisten werden. Eine Begehung
mit einigen Hindernissen kam schließlich dabei raus!
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Knapp drei Wochen war es her, da hatten wir diese Tour erst geklettert: Die Gelbe Kante, im Profil die
rechte Kante an der Kleinen Zinne. Nein, dahin wollten wir nicht, wir wollten zu einer anderen Comici, der Großen Zinne Nordwand. Ein ganzes Jahr lang hatte ich mich mental darauf vorbereitet. Du steigst
den Vorbau hoch, dann der Absatz. Von dort aus geht es so irrsinnig nach unten, dort wirst du Angst haben. Du wirst Angst haben, aber jetzt weißt du es ja, also klettere da rüber! Mir wurde schon
immer mulmiger, je näher wir der Tour kamen.
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Die letzte Galgenfrist: Die restlichen paar Meter zum Einstieg. Und trotzdem schon die ersten Zweifel: Waren
wir nicht schon zu spät dran, es schien schon keine Sonne mehr in die Wand, was sie am sehr frühen Morgen noch tut. Was soll’s, es war gerade mal 7 Uhr, also kein Grund zur Beunruhigung, bestes
Wetter, heute mußte es klappen. Und in so einer schweren Tour noch andere Seilschaften - nein, das konnte es nicht geben, wir werden bestimmt freie Bahn haben!
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Letztes Bild von unten, vor dem Vorbau, senkrecht nach oben photographiert. Die erste Seilschaft ist bereits
hoch oben, wohl schon 2 oder 3 Seillängen der 7 schweren Seillängen haben die schon hinter sich. Ich frage mich: Wann sind die denn wohl aufgestanden???? Wir sind doch auch früh dran und gleich danach
friert es mich schon an den Fingern, als ich die erste Seillänge des Vorbaus angehe.
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Irgendwann ist es dann soweit: Ich gehe die erste der schweren Seillängen an. Im Quergang hänge ich zwar
schon in den Haken, aber es geht relativ gut. Jetzt nach oben, den Umkehrpunkt des letzten Jahres überwinden. Ich habe eine Scheiß-Angst, aber ich steige hoch. Am Stand weiß ich, daß ich die Tour heute
klettern werde. Ich mache es mir so gemütlich wie möglich und sichere nach. Klaus fällt (mit Rucksack) drei Mal aus der Quergangsseillänge raus, muß sich wieder hochziehen, bis er von unten meint:
“Du, ich glaube, ich schaffe das nicht.” Bei mir bimmeln gerade alle Alarmglocken: Nein, das kann er nicht machen, ich habe die Seillänge geschafft, ich schaffe den Rest auch noch, es wird
funktionieren. Diese Chance, so dachte ich mir, die hast Du einmal in deinem Leben, also, nutze sie! Ich rufe runter: “Laß alles da, nimm nur die Kamera und den Autoschlüssel mit, den Rest holen
wir uns dann!”. Es klappt. Klaus kommt über den Quergang, nun extrem erleichtert. Wir steigen weiter, das Manöver hatte uns aber wiederum Zeit gekostet.
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Das erste Mal, als ich mal wieder etwas klarer denken kann, hole ich wieder meine Kamera heraus, Klaus hier
am sog. Italienerbiwak, etwa in Wandmitte, nach dem Ende der Hauptschwierigkeiten. Ich hatte etwas Zeit aufgeholt, sah aber schon die anderen Seilschaften nach oben in dem jetzt folgenden leichteren
Gelände verschwinden. Ich drängte weiter zur Eile, schließlich lagen noch genügende Seillängen vor uns und irgendwie war es mir lieber, jemanden vor mir zu haben. Das erleichtert die Wegfindung und die
Psychologie beim Klettern: Na wenn die noch Klettern, dann sind wir ja auch nicht zu spät. Irgendwie gelang mir das dann aber nicht so ganz. Ein paar Seillängen weiter oben sah ich auf einmal niemand
mehr, weil die anderen in dem 5er Gelände kaum noch sicherten, ich hingegen (es schien mir notwendig, da oben auf einmal nicht mehr alles fest war) legte brav meine Klemmkeile und Friends und legte brav
Zeit drauf. Auf einmal waren wir allein in der Wand. Die ersten Wolken kamen rein, zeitweise war es neblig, kurz darauf schien wieder die Sonne. Nein, wir müssen hier raus - und das heute noch. Die
gelegten Sicherungen wurden weniger, das Tempo dagegen schneller. Klaus beschwerte sich schon über meine Hektik am Stand beim Seildurchspulen und der Übergabe der Sicherungen. War mir egal, weit konnte
das ja nicht mehr sein nach oben.
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Blick aus der Wand in Richtung Drei Zinnen Hütte. Die Wolken wurden zwar immer quellender, aber was solls,
bevor ich Klaus nachsicherte, machte ich noch ein Photo, die Erleichterung stand mir ins Gesicht geschrieben, egal was jetzt noch passierte, ich habe diese Tour geschaft, ich war der Größte!
Wahrscheinlich würden wir sogar noch runterkommen, das war mir aber egal, ich bin oben, ich habe es geschafft, aus eigener Kraft! Endlich war die Landschaft um uns auch zum Geniesen da. Im Bild: Der
Elfer und rechts der Bildmitte (rotes Dach): Die Drei Zinnen Hütte.
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Na gut, es wird ernst, Ernst ist heute 3 Jahre alt, ha, ha, alter Kalauer, klasse! Tatsächlich waren doch da
Leute früher aufgestanden als wir. Wir sahen schon 2 Seilschaften am Beginn der Schwierigkeiten. Naja, macht ja nichts, die werden uns nicht stören, die sind ja schon längst weg, wenn wir kommen. Ich war
auch irgendwie froh drum. Brauchen sie wenigstens das Drama nicht ansehen, daß ich wahrscheinlich gleich veranstalten werde Hilft aber nix, ich will da hoch und wenn es das letzte ist, was ich tue. Ich
will Sestogardist werden, zu den Besten zählen, koste es was es wolle. Das geht nur mit entsprechender Tourenliste und diese Tour muß eben nun mal draufstehen. Punkt. Schluß!
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Irgendwie dann doch zu spät gekommen. Auf dem Absatz vor dem Beginn der Schierigkeiten drückende Enge, weil
noch drei Seilschaften warten. Ich rufe Klaus zu, er soll auch noch auf dem Stand warten, bis mal wieder einer losklettert. Ich zähle: 7 Seilschaften, wir sind allerdings Nummer 7. Was mir gar nicht
gefällt. Wenn da oben irgendwer zu langsam ist, dann komme ich auch nicht weiter - und es geht gerade eben auch nichts vorwärts! Quälend lange dauert es, bis ich Klaus nachsichern kann, bis wir dann
endlich in die Tour einsteigen können. Witzig übrigens: Heute braucht man da nicht mehr anstehen, auch an guten Sonnertagen sind maximal 2 Seilschaften in der Tour. Der Trend geht augenscheinlich mehr
zur gut gesicherten Sportkletterführe.
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Ja, es ging und nachdem die erste Seillänge geschafft war, gingen auch die darauf folgenden. Ich versuchte
irgendwie, die unten an der ersten Seillänge gelassene Zeit einzuholen, so blieb mir auch wenig Zeit, um Photos zu machen, außerdem war ich viel zu sehr mit mir beschäftigt: Die Angst bei jeder Seillänge
zu überwinden, Klaus dies aber möglichst nicht zu zeigen, um nur ja keinen Rückzug anzudeuten, ich wollte da rauf! Obwohl das recht luftig aussieht, ist das Bild erst nach der zweiten schweren Seillänge
aufgenommen, dort, wo das Seil nach unten fällt, sieht man das Podest am Ende des Vorbaus, wo gerade ruhig und friedlich unser Rucksack mit sämtlichen Sachen (u.a. auch unseren Schuhen) auf uns wartete.
Typisch für die Tour: Oft schlechte Stände, man muß sehen, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten.
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War es auch nicht, aber übel: Den weltberühmten 27m Quergang hatte ich nun überaupt keine Lust zu klettern,
ich schielte auf die Aschenbrenner Variante, direkt dem Riß folgend zum Ringband. Ein Blick nach oben (Bild) belehrte mich eines besseren. Im Führer stand: “Meist naß”, das Ding tropfte nur
so und ich war, weil ich den Stand außerhalb der darunter liegenden Höhle gemacht hatte, bereits durchweicht. Nur noch 30m bis zum Ringband und du kommst da nicht rauf, dachte ich mir, hätte mir jemand
ein Seil von oben runtergeworfen, ich hätte es genommen, zu angegriffen waren inzwischen meine Nerven, jetzt noch queren und noch 3 Seillängen machen, dazu hatte ich nicht mal mehr die Spur von Lust,
geschweige denn den Nerv. Aber da hoch war auch kein Blumentopf zu gewinnen, also queren. Ich querte viel zu hoch, das Gelände wurde langsam schwer, irgendwann kam dann auch ein Stand, den ich nicht
auslassen wollte. Und siehe da, über mir ein Haken, also da muß es weitergehen. Daß dies nicht der Orginal-Ausstieg im Dreiergelände sein konnte, wurde mir langsam klar, als es über schwierige
Rißüberhänge im oberen 6.Grad ging. Egal wie schwer das jetzt ist, ich wollte nur noch zu diesem Ringband. Ging aber nicht so leicht, durch den Seilzug war noch ein Zwischenstand nötig: Ein schlechter
Haken, selbst noch was dazu gelegt, auch gut, das Ringband mußte kommen, ich konnte es nahezu riechen!
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