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Dolomiten extem Die Routen für den Könner
Die “Carlesso/Sandri” am Torre Trieste (Civetta) - Dritter Teil (Seite 2/3)
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Die Geschichte einer Begehung in drei Anläufen... Dritter Anlauf!
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Bild links: Andi im berühmten “Nasenquergang” im oberen Wanddrittel. Gutes Wetter?
Nichts dergleichen! In der Mitte der Wand trübte das Wetter ein, es roch geradezu nach Sturm! Was wollten wir machen, es gab nur die Flucht nach oben....
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Bild unten links:
Andi auf dem Gipfel des Torre Trieste. Von jetzt an - so sagte er - wäre es meine Aufgabe, uns da wieder runter zu bringen....
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Wir machten also weiter.... In der Schlüsselseillänge gelang es uns schließlich sogar noch, die letzte
noch in der Wand verbliebene italienische Seilschaft abzuhängen - Andi hängte locker drüber, kletterte alles frei und schnell, hängte nur einen Teil der Haken ein und schon waren wir on Top (zumindest an
der Spitze der Seilschaften in der Wand, waren ja nur wir und die beiden Italiener...). Dann die Aussteigsrisse: Verwirrendes Rißwirrwar, welchen sollte man denn hier nehmen, wie weit queren, um zum
richtigen Riß zu kommen? Andi stieg irgendwo hoch, ich beschäftigte mich in der Zwischenzeit lediglich noch mit meinem Magen. Andi meinte irgendwann: “Du, dieser hier ist glaube ich nicht der
richtige, ich klettere wieder ab!”, worauf ich ihm zurief, “Andi, kannst Du Dich 5 min festhalten?” Er mußte nicht sofort, warum er dies denn tun sollte, als ich allerdings deutlicher
wurde sagte er lediglich: “Kein Problem, ich komme schon zurecht!” Also robbte ich mich mit allerletzter Kraft in irgendeine Nische, lies die Hose runter und los ging es auch schon:
Exzellenter Dünnschiss von allerfeinster Güte, das Tragische an der ganzen Situation war allerdings, daß ich ja Andi noch sichern wollte, mein Klettergurt hing also so irgendwo zwischen meinen Knien,
wärend der nackte Hintern immer seltsamere Töne von sich gab! Ich stellte mir vor, was passiert jetzt, wenn Andi da runterfällt.... Zum Glück war die Situation nach wenigen Minuten bereinigt, wir
kamen 5 Seillängen später am Gipfel an...
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Am Gipfel kam es dann zu der komplett umgedrehten Situation: Andi zog seine Kletterschuhe aus, so wie er das bei jeder
Sportklettertour in der Fränkischen auch gemacht hätte und sagte: So, oben sind wir, für den Abstieg bist Du zuständig, ich habe keine alpine Erfahrung! Das mit der alpinen Erfahrung hatte ich doch schon mal gehört,
und was war? Er hatte uns auf den Gipfel gebracht, und dies in Rekordzeit! Um zehn Uhr waren wir eingestiegen, inzwischen war es erst kurz nach sechs, also lediglich acht Stunden für eine Tour, die mit 12 bis 16
Stunden veranschlagt war! Von unseren Nachfolgern noch weit und breit keine Spur und wir hatten noch gute Chancen, auch bis zum Boden wieder zurück zu kommen! Man muß dazu sagen: Der Torre Trieste ist nicht nur
schwer zu ersteigen, es ist auch nicht leicht, von ihm wieder runter zu kommen! Der Führer zeigt zwei Möglichkeiten, man muß allerdings im besten Fall mindestens 16mal abseilen, wir wählten den Weg des mehrmals
abseilen, da er uns der sicherste erschien. Nein, falsch! Wir wählten überhaupt keinen Weg, der Weg wurde uns vorgegeben. Andi war in der Zwischenzeit auf dem Gipfel nahezu eingesackt, jetzt war ich dran. Keine
Ahnung wohin, Hauptsache runter. Ich entdeckte irgend einen Haken und fädelte unser Seil durch, die erste Seillänge vom Gipfel runter ging in eine irgendwie furchterregend aussehende Schlucht, in die ich am liebsten
nicht abgeseilt wäre, lieber auf die Italiener warten, vielleicht wissen ja die mehr, aber die kamen nicht, also doch abseilen! Andi kam nach, wir zogen das Seil ab. Ich hatte eine weitere Abseilstelle
ausgemacht, irgendwie ging es immer weiter. Die Beschreibung im Führer war uns inzwischen eigentlich ziemlich egal, wir wollten halt nur immer weiter runter! Irgendwann waren wir mitten in einer über 100m hohen
Wand, in der Mitte. Ich war auf ein Band eingeschwungen, hatte nachkommen hochgerufen. Andi kam, 5m rechts von uns ein weiterer Haken, der uns hier rausbringen konnte. Beide auf dem Band, jetzt nur noch Seil
abziehen und weiter. Seil ging nicht abzuziehen. Andi probierte es mit seinen Bärenkräften, kein Rucker! Ich mache mich irgendwo fest und versuchte immer mit meinem Körpergewicht ein wenig Seil zu kriegen, es ging,
aber immer nur wenige Zentimeter. Wir wurden langsam unruhig. Ich kam auf eine interessante Idee: Ich sagte zu Andi: “Also pass auf, ich hänge mich an das Seil wenn es gespannt ist und pendele raus und
wenn es langsam nachgibt, dann ziehst Du mich wieder rein!” “Bist Du irre?” bekam ich anfangs nur zu hören, aber als die nächsten Versuche, daß Seil da rauszukriegen auch gescheitert waren, da
willigte er schließlich ein. Ich also immer wieder ins Seil reingesprungen über dem Abgrund, Andi immer am anderen Ende, um mich, sollte es irgendwann mal schneller werden, rechtzeitig reinzuziehen! Das Ganze haben
wir dann so 5 bis 6 Meter gemacht, irgendwann war es möglich, auch ohne direkt über dem Abgrund zu baumeln das Seil zu zweit zentimeterweise zu befreien.... Wie von selbst kam das Drecksding dann irgendwann
runter, locker leicht, als wäre es nie nötig gewesen, sich frei über der Wand baumelnd hängen zu lassen...
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Nachdem wir diverse und vor allem ziemlich heikle Seilmanöver erfolgreich bestanden hatten kamen einige Laufpassagen.
Das dumme war nur immer wieder: Die Laufpassagen kosteten Zeit! Will heißen: Immer wieder Seil aufnehmen, auf den Rücken binden um dann doch festzustellen, daß man das Seil gleich wieder aufspulen und irgendwo
runterwerfen mußte. Außerdem fing es langsam an zu dämmern! Wo wir das Seil dann letzten Endes runterwarfen, war nicht mehr genau zu erkennen, wir knoteten aber sicherheitshalber immer beide zusammen, um ja nicht am
Ende ein zu kurzes Seil zu haben. Dies stellte sich allerdings meist als Fehler heraus, das Seil hätte eigentlich immer gereicht, aber durch das doppelte Aufnehmen brauchten wir nochmals wertvolle Minuten! Die
letzte Schlucht, in die wir seilten, war dann derartig tief, daß wir bald auch schon nicht mehr die berühmte Hand vor Augen sahen. Fast schon in der Nacht versuchten wir, in dieser Schlucht auf einem sehr engen und
abschüssigem Band nach rechts zu queren, wo wir den nächsten Abseilhaken vermuteten. Das Queren war eine fast lebensgefährliche Angelegenheit, keiner sah mehr irgendwas! Andi ging vor, als allerdings der ein oder
andere Stein lange nicht aufschlug, nachdem wir ihn am Band weggetreten hatten sagte ich zu Andi: “Komm, wir gehen zurück, daß hat keinen Wert mehr, den Abseilhaken finden wir nicht mehr, außerdem ist es hier
zu gefährlich!” Man muß dazu sagen, wenn wir die heute sehr leichten Stirnlampen dabei gehabt hätten.... Also zurück und in der Schlucht Vorbereitung auf das Biwak! Ich gab Andi den Rucksack zum besseren
Liegen und verstaute ihn unter einem mir halbwegs sicher erscheinenden Dach, welches allerdings nur Platz für eine Person bot. Ich legte mich irgendwo in den Schutt und angelte mir wenigstens das Seil, um halbwegs
günstig zu liegen in der Nacht. Zugezogen hatte es ja ohnehin schon, dann fing es auch noch an zu donnern! Andi fragte von der Seite: “Was willst Du denn machen, wenn es zu regnen anfängt, Dich spült es doch
dort weg!” War mir abgesehen davon auch klar, ich beruhigte ihn: “Wenn es zu regnen anfängt, dann muß ich halt zu Dir kommen, dann kommt da Steinschlag runter, aber so lange es noch ruhig ist bleibe ich
da, das ist sicherlich besser, denn sonst können wir beide ja kein Auge zutun. Sollte es anfangen und Du merkst es, sag mir halt Bescheid, sollte ich schlafen!” Und es begann tatsächlich zu regnen! Andi bot
mir noch mehrere Male an, zu ihm zu kommen, aber dieser einzige halbwegs steinschlagsichere Platz war so klein, daß wir beide da nicht hätten bleiben können. Ich harrte also weiter dort, wo ich war, zum Glück wurde
es nicht schlimmer , der Regen hörte irgendwann wieder auf und wir zitterterten beide bis in den Morgen!
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