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        by Jürgen Kremer

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Die “Carlesso/Sandri” am Torre Trieste (Civetta) - Zweiter Teil (Seite 2/2)

Die Geschichte einer Begehung in drei Anläufen...endet zunächst einmal in der Sellagruppe, am dritten Sellaturm

Zweiter Anlauf!

Überholen: Gut und schön, ein Blick auf die Seite (rechtes Bild) brachte mich erst einmal auf andere Gedanken! Diese dunkle Wolkenfront im oberen Bildrand machte mir irgendwie Sorgen!
Aber gut, was macht man da, wenn die da so auftaucht! Erst mal kühlen Kopf bewahren! Noch ist ja nicht alles so schlimm! Wenn sie näher kommt, kann man sich ja immer noch überlegen, ob runter oder rauf der bessere Weg ist!
Rauf war in diesem Fall die bessere Alternative, auch wenn die Crux, die 5+a1 Seillänge noch vor uns lag! Die vorletzte Seillänge, da muß man nicht groß überlegen, rauf und das war es dann! Nach 10 Klettermetern eingehängt: Rost und Rost und dann das Highlight: Ein Zelthering! Durch den Hering gebohrt ein Loch und dann eine 5mm Reepschnur durchgefädelt!

Aus Not habe ich die Stelle frei geklettert! Der im aktuellen Sellaführer angegebene Schwierigkeitsgrad 6+ für diese Seillänge dürfte auch empfindungsgemäß passen. Der Stand war in ähnlich schlechter Verfassung, demzufolge keine Aussicht auf vernünftige Sicherung! Außerdem - die sich ankündigende Wetterfront schaute in der Zwischenzeit schon etwas düsterer drein, daher schnell machen...

Die letzte Seillänge erwies sich in der Tat als harmlos, einziges Problem war eigentlich, das Seil nicht so über den Schutt zu ziehen, daß es den Nachsteiger erschlägt! Der hat allerdings dann auch mehrmals ziemlich geflucht, ob das an dem Schotter am Ausstieg oder an dem durch das Seil ausgelösten Steinschlag lag, kann ich aber nicht sagen, ich war froh, oben zu sein und eigentlich “nur” noch runter zu müssen...

Bild links: Ich unter dem ziemlich brüchigem Abschlußüberhang, über den wir dann noch drüber mußten. Die Seillänge drunter nannte sich 4+. Keine Sicherung und die Griffe: Nehmen, durchziehen, wieder hinstellen...
Ziemlich heikle Sache das Ganze, hatte in der leichten Seillänge fast mehr Angst als in den schweren.
Bild oben: Am Gipfel des dritten Sellaturms. Obwohl das Wetter übel aussah und ich zum Abstieg drängte: Ernst blieb da gelassen: Erst mal ne Flöppe anzünden, fertigrauchen, dann wird man schon weitersehen...

Bild links: Ernst im Abstieg, im Hintergrund der dritte Sellaturm
Bild oben: Die Sellagruppe im Abendlicht (vom gleichen Standpunkt aus)

Das Ende der Geschichte: Die Jungs vor uns, die wir dann endlich am Gipfel einholten, waren Südtiroler, ein klein wenig blauäugig wie mir schien und waren der Meinung, sie wüßten einen besseren Weg um da runter zu kommen. Ich habe dann auch nicht weiter gefragt, sie waren bald aus unserem Blickfeld und erstürmten irgendwelche Schutthaufen, weil sie zu irgendeiner Abseilstelle kommen wollten, von der sie gehört hatten, daß sie womöglich gut sein könnte. Ich steckte mir die ganze Sache gleich von vorne herein und nahm den Weg, den mir der Führer vorzeichnete. Das war dann allerdings eine halbe Turmumrundung, man sieht (wenn man es weiß) das Ringband, daß um den Turm herumführt, im oberen Drittel des Turms. Nach rechts führt es in die Schlucht zwischen Turm und Massiv, noch zweimal abseilen und man ist unten. Wie man auf dem Bild schon erahnen kann: Es fing an zu regnen. Dadurch wurde die Schlucht innerhalb von Minuten zu einem Sturzbach, in dessen Mitte man abseilte. Nebenbei kamen noch ein paar Steine dazu, also höchste Alarmbereitschaft! Innerhalb von Minuten waren wir beide naß, sahen das Ganze allerdings halbwegs gelassen, weil wir ja nicht mehr weit vom Boden entfert waren. Also rein in den Sturzbach, runter, so schnell es ging und hoffen, daß kein Stein noch dazukommt! Das ging dann auch recht gut, als wir unten waren, war der Regen allerdings vorbei, der Sturzbach nicht mehr da, wir allerdings unterkühlt und durchnäßt bis auf die Knochen. Angesichts der Situation fragten wir uns zwar - hätte das denn sein müssen, einige Zeit später wäre es doch auch noch gegangen, wahrscheinlich wesentlich ungefährlicher - aber das ist halt so: Klettern ist Minutenentscheidung: Macht man das Richtige oder nicht - hätte es nur ein wenig länger gestürmt, so hätten wir wahrscheinlich keine Chance mehr bekommen, da heil runter zu kommen, ohne Biwaksack, total durchnäßt, was hätten wir also tun sollen? Aber letzten Endes ist uns ja nix passiert, also in so fern doch die richtige Entscheidung - obwohl einige Steine doch recht nah vorbeigeflogen sind Wenn einer trifft, so ist es die falsche Entscheidung! Aber wer will das wissen?

Zurück zur Auswahlseite Torre Trieste kommt Ihr hier, zum dritten Teil dieser Geschichte, indem Ihr auf eines der unteren Photos klickt!

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