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Die Bilder ähneln sich, nur die Höhe zum Wandfuß nimmt zu. Vor den Ausstiegskaminen im oberen Teil hat die
Tour keine klare, eindeutige Linie. Als ich dann in den Kaminen bin, fällt Nebel ein, teilweise sehe ich weniger als 5m. Als Klaus dann die vorletzte Länge nachkommt, wird es dunkel. Doch auch die
anderen klettern noch, aber hier ist kein Platz für sechs Leute! Und oberhalb von uns befindet sich ein extrem übel aussehender und naßer Schulter-Rißüberhang. Der Führer sagt 4+, für mich sieht das aber
eher nach 6+ aus. Absicherung: Fehlanzeige. Ich versuche im Dunkeln hochzukommen und wenigstens noch ein paar Sicherungen für das Biwak zu platzieren. Wieder runter, inzischen sind schon zwei der anderen
am Stand angekommen, gnadenlose Enge, nur ein Standhaken und die dritte Seilschaft klettert noch im Dunkeln, kommt auch zu unserem Stand. Ein Haken, kein Sitzplatz und sechs Leute? Das geht nicht, also
den ganzen Mut zusammen genommen: Ich fummle im Stockdunkeln noch ein paar Friends irgendwo in den Riß, als ich den nassen Rißüberhang angehe.
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Irgendwann nachts war es unserm Heeresbergführer dann zu kalt. Er beschloß: Ich steige jetzt da gar aus, wir
waren ja nur eine Seillänge unter dem Gipfel. Ich versuchte es ihm auszureden, doch er bestand darauf. Seine fehlende “Liebe” zu Zwischensicherungen und seine Körperfülle ließen mich jedoch
im Falle eines Sturzes an den maroden Standhaken zweifeln. Da er nicht von seiner Idee abzubringen war, entschloß ich mich, da gar hochzusteigen, ich würde im Falle eines Sturzes wenigstens die Haken
nicht so stark belasten und außerdem - kalt war mir auch ziemlich. Also gar hoch die letzten Meter und gleiche Aktion wie vorher: Durch das Zusammenknüpfen der Seile hatten wir bei Morgengrauen alle
oben! Im Bild: Der Torre Trieste.
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Der Rest des Abstiegs über die im Frühjahr noch schneegefüllten Rinnen war noch reine Formsache, auch wenn
unser “Dolomitenanfänger” rechts anfänglich noch etwas zögerlich wirkte. So hatte er sich das sicherlich nicht vorgestellt, seine erste Tour und gleich noch ein Biwak ohne Biwakausrüstung im
Frühjahr hingelegt!
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Irgendwie kam ich dann auch ein wenig ins Grübeln, oder besser ins Rechnen. Der Führer schreibt 700
Klettermeter, gibt an: 16 Seillängen. Selbst wenn man alle Seillängen gleich auf Anhieb findet und keine zusätzlichen klettern muß (was fast unvermeidlich ist), ergibt das bei 3 Stunden nur 11 Minuten
für beide Seilpartner, also 5,5 Minuten für jeden für eine bei 700 Klettermetern rechnerische Länge von ca. 44 Metern je Seillänge. 5,5 Minuten für 44m, einschließlich Standbauen, Seil nachholen,
Anbringen von Zwischensicherungen usw. Das da was nicht stimmen kann, hätten wir uns also eigentlich schon früher ausrechnen können!
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Trotzdem irgendwie anstrengend, das Ganze. Erst mal nur schlafen und ausruhen wollten wir. Dauerte ein
wenig, bis wir wieder den normalen Tagesrhythmus aufgenommen hatten.
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Es ist kalt, aber mir läuft der Angstschweiß in Strömen übers Gesicht, wenn da oben keine Griffe kommen geht
es abwärts, und ich weiß nicht ob die Sicherung hält, ansonsten adios, denn den Standhaken, an dem inzwischen 5 Leute unten hängen, den würde ich wahrscheinlich ja auch gleich noch mit rausreisen! Doch
ich ertaste einen Griff, ziehe mich hoch und erreiche - quälend langsam in dem jetzt geneigten, dafür brüchigem Gelände, nach 5 Metern ein Band. Ich finde einen Haken und kann Klaus nachkommen
lassen.Klaus zieht ein Seil nach, so daß nun alle anderen von oben gesichert den schmierigen Überhang im Dunkeln klettern können. Einer sichert, zwei ziehen am Seil, um den noch unten Wartenden den
Aufstieg im Stockdunkeln etwas zu erleichtern. Auf die Art und Weise bekommen wir irgendwann dann alle auf das größere Band, wenigstens mit der Möglichkeit, sich zu setzen und etwas auszuruhen. Vorteil
der Aktion: Man bleibt warm!
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Der Abstieg dagegen recht komfortabel: Eine Abseilpiste mit betonierten Ständen erleichtert das Abseilen
ungemein. Dadurch, daß wir 3 Doppelseile hatte, konnte ich die Seile für die anderen immer schon vorhängen, was den Abstieg zu einer kurzweiligen Angelegenheit machte.
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Die glorreichen Sechs, 25 Stunden nachdem sie diesen Punkt im Aufstieg zum Torre Venezia schon mal überquert
hatten. Ich lief dann sogar nochmal zurück zum Einstieg, Klaus hatte in einer der letzten Seillängen einen Friend fallen lassen. Ich glaubte zwar nicht recht dran, ihn zu finden, aber die Dinger waren
teuer und außerdem nur geliehen, also versuchte ich es. Und tatsächlich, ich fand ihn - nur 5m vom Einstieg entfernt lag er. Nebenbei fand ich auch noch gleich 3 Karabiner. Zuhause ein wenig Öl auf die
Schnapper, schon funktionierten sie wieder!
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Das Wetter wurde schlechter, aber auch alles andere war eben einfach nicht zu machen. Das Bild zeigt die
noch am Ufer stehenden Tretboote am Misurinasee, dahinter die Häufen an Schnee, die eben noch überall rumragen. Kletterer sind ungeduldige Menschen, es blieb aber nichts anderes übrig: Einfach nur auf
den Sommer - warten!
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