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Meilensteine
Hier einige Meilensteine des modernen Kletterns. Man wundert sich, wie “alt” die Meilensteine des modernen Kletterns doch
sind. Aber die Jungs konnten eben damals schon klettern und waren noch nicht verdorben von der multimedialen Gesellschaft, für die ich gerade in diesem Moment mal wieder eine Seite schreibe. Aber vielleicht hilfst
ja, also raus und ran an den Fels!
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1890:
Drei Zinnen: Kleine Zinne Nordwand (4-): Einer der Meilensteine des modernen Kletterns, ungefähr vergleichbar mit dem
ersten roten Punkt am Fels in den Siebzigern durch Kurt Albert. Im vorletzten Jahrhundert galt ein Fels als “bezwungen”, sobald der Gipfel erstiegen war, mit dem heutigen
“Normalweg” von Südwesten aus war dies der Fall. Dies geschah 1881 durch die Führer Michael und Hans Innerkofler aus Sexten. Den Berg “nur so” zu ersteigen, obwohl er, wie man
sich damals wohl ausgedrückt hätte, ja ohnehin schon “besiegt”war, war zuviel für die damalige Vorstellungswelt. Dennoch wagte es der Führer Sepp Innerkofler 1890 im seilfreien Alleingang.
Leider erlaubte es ihm zur damigen Zeit seine Ehre als Führer nicht, die Tour komplett fertig zu klettern, er kehrte kurz vor dem Gipfel wieder um, um anschließend seinen Gast, den Touristen Hans
Helversen 1890 auf den Gipfel der Kleinen Zinne zu führen. Die Führe ragt daher so extrem aus den Begehungen der damaligen Zeit heraus, weil hier erstmals ein Berg nur für die Tour, für eine, dem
uneingeweihten Betrachter nicht klar zu erschließende “Linie” begangen wurde, Klettern, um des Kletterns willen, nur für den Kletterer sichtbare Linien in den Fels zeichnen. Wer an der
Leistung von Sepp Innerkofler zweifelt, der steige heute in die Tour ein, aber dann bitteschön mit genagelten Holzschuhen und bitte ohne Seil.
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1908:
Große Zinne Nordostkante: Dibonakante (4): Schade für den berühmten Führer aus Cortina, aber hier war ein anderer
schneller. Der Lienzer Rudl Eller, das gilt inzwischen als gesichert, hat schon 1908 die Kante gemacht, für die der Zweitbegeher mit seinem Namen steht. Angelo Dibona kletterte erst 1909 da durch, und
weil der Erstbegeher auch nichts hinterlassen konnte (er war im seilfreien Alleingang unterwegs), war er eben der Ansicht, hier eine Erstbegehung hinterlassen zu haben.
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Angelo Dibona, obwohl hier eigentlich Rudl Eller stehen müßte...
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1913:
Große Zinne Westwand (5+): Die Einschläge werden näher. Das Nordwandproblem steht, aber noch ist es noch nicht ganz so
weit. Hans Dülfer und W. Bernuth klettern 1913 die Westwand, eine wunderschöne Rißkletterei in eisenhartem Fels an der Scharte zwischen Westlicher und Großer Zinne.
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Hans Dülfer stirbt am 15.Juni 1915 bei Arras im Ersten Weltkrieg.
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Einer der besten Kletterer seiner Zeit, sein Routeninstinkt war legendär: Emil Solleder
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1925:
Civetta Nordwestwand: Solleder/Lettenbauer (6): Während sich alle Welt auf die Zinnen konzentriert, folgt der Paukenschlag.
Emil Solleder eröffnet die erste Tour im 6. Grad. Und damit’s nur ja keinen Zweifel daran gibt, eröffnet er dies nicht an einen 1 1/2 Meter hohen Boulderblock, wo man möglicherweise noch
buddeln muß, um überhaupt klettern zu können, nein, er eröffnet sie an einer der höchsten und abschreckensten Wände der Dolomiten, die Civetta Nordwestwand, 1100m hoch. Die Solleder/Lettenbauer zählt
heute noch zu den härtesten Touren der Dolomiten. Nur 6. Grad, aber halt hoch muß man. Und das 1100m lang! Lang ruppig, oft naß und oben, wenn man Pech hat, in den Ausstiegskaminen auch noch im Juli
vereist.
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1929:
Marmolada Südwand: Micheluzzi (früher 6+, heute 6a0): Nicht so bekannt wie die anderen Touren dieser Auflistung, dennoch
ein Meilenstein des Kletterns, v.a des modernen Kletterns. Hier war Luigi Micheluzzi seiner Zeit gut 50 Jahre vorraus, verwendete er doch nur Haken, wo sie absolut dringlich erforderlich waren, während
seine Zeitgenossen gerade damit anfingen zu glauben, daß eine Steigerung der Schwierigkeiten nur durch den verstärkten Einsatz von Haken erreichbar sei. Diese Fehlentwicklung des modernen Alpinismus,
heute unter dem Wort “Eisenzeit” bekannt, ging an Micheluzzi spurlos vorbei. Er schlug für seine Führe über den 550m hohen Südpfeiler, heute “Micheluzzipfeiler” genannt, angeblich
nur 6 Haken! Obwohl heute meist um die 60 Haken stecken, sprechen viele Wiederholer immer noch von einer der schwierigsten Klettereien der Dolomiten.
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Wegbereiter des modernen Kletterns: Luigi Micheluzzi.
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1933:
Große Zinne: Nordwand: Comiciführe (7 frei, damalige Bewertung:6+(mit Hakenhilfe). Heutige Bewertung bei Verwendung aller
Haken (dann macht die Tour allerdings wenig Spaß, man sollte schon weitgehend frei klettern können) 5+a1): Ne, sowas kann sich ein Emilio Comici nicht gefallen lassen! Läßt er auch nicht. Bevor die
Seilschaft Steger/Wiesinger, die in Jahr zuvor ein weißes Taschentuch an ihrem höchsten erreichten Punkt festgebunden hatten, wiederkommt, selber ran! Das weiße Taschentuch, daß dort ein Jahr lang im
Wind flatterte, zeigte, daß es möglich war, durch diese überhängende Mauer zu klettern! Mit Erfolg. Mit zwei Biwaks klettern E. Comici und Guiseppe und Angelo Dimai die damals sicherlich bei weitem
schwerste Tour der Welt. Es gilt heute als gesichert, daß Emilo Comici die Führe damals zwar nicht frei geklettert hat, aber sehr wenige Haken verwendet wurden, so daß man annimmt, daß Comici damals
bereits Stellen im 7 Grad frei überwunden hat.
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1934:
Torre Trieste Südwand: Carlesso/Sandri (8-/7-A1). Nur ein paar Daten: Wandhöhe 650m, Kletterlänge weit mehr durch die
vielen Quergänge. Keine leichten Seillängen und unendlich lang, auch noch im Abstieg. Nicht einfach hinten runter gehen, unendlich lange und komplizierte Abseilpiste (Piste?). Raffaele Carlesso war zur
damaligen Zeit sicherlich dem genialsten Kletterer seiner Zeit mindestens ebenbürtig. Doch Vorsicht. Im Gegensatz zu den Linien von Emilio Comici sind die Führen von R. Carlesso meist etwas ruppiger, wie
auch diese. Nur die Graue Platte (frei 7+/8-) und der berümte Hangelquergang (6-) stechen durch ihre Schönheit und Kompaktheit hervor. Hätte Comici nicht schon ein Jahr früher “seine”
Nordwand begangen, vielleicht wäre diese Tour heute eine der berühmtesten der Dolomiten. Und von den Gesamtanforderungen, die an den Kletterer gestellt werden, übertrifft sie die Comici an der Nordwand
der Großen Zinne bei weitem!
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Sein Mut und sein unbedingter Wille machten ihn zur Legende: Riccardo Carlesso.
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1937:
Große Zinne: Nordwand: Comiciführe (7). Erste Solobegehung durch - na, wem wohl, dem Meister selbst, nämlich Emilio Comici.
Es spricht für seine Klasse, daß er sich gleich darauf über die inzwischen “zu vielen Haken” (weit weniger als heute) beklagte. Der stets “seinen” Dolomiten verbundene Comici
stirbt, als Bürgermeister seiner Gemeinde Wolkenstein, im Alter von nur 39 Jahren bei einen Sturz in seinem “Haus-” Klettergarten bei Wolkenstein Selva auf tragische Weise durch den Riß einer
Abseilschlinge.
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1952:
Cima Scotoni Südwestwand: Lino Lacedelli, Luigi Gedina, Guido Lorenzi (8-/6+a1). Lange hat diese Führe auf ihre verdiente
Würdigung warten müssen, zumindest wartete sie erst mal 17 Jahre auf ihre zweite Begehung. Von da an begann der geradezu kometenhafte Aufstieg dieser, unter deutschen Kletterern immer noch recht
unbekannten Führe. Man sprach (Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger) von der schwersten Dolomitenführe. Man muß dies (damals waren dann ja schon die unten stehenden Touren alle begangen) insofern
verstehen, hatten in der Eisenzeit die Schlosser aus aller Herren Länder ja die berühmten Touren (etwa an den Zinnen) durch den Einsatz von immer mehr zusätzlichen Eisens immer technischer und somit auch
leichter gemacht. Die Erstbegeher verwendeten für die Führe allerdings nur ca. 40 Stand und Zwischenhaken, wodurch es nötig wurde, auch die schwere 2. Seilllänge zumindest teilweise frei zu klettern. Die
Schwierigkeit bei zumindest teilweise freier Kletterei dürfte dann etwa damals im Bereich 7+ gelegen haben. Schon dafür hätte er berühmt werden müssen, aber wie gesagt, keiner wußte was davon! Berühmt
wurde Lacedelli dann auch erst durch die Erstbesteigung des K2 im Himalaya.
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Die Beschei- denheit gepachtet: Walter Philipp und Dieter Flamm schufen ein Meisterwerk der Freikletter-
kunst. Beide sind hoch angesehene Wissenschafler
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1957:
Quota IGM 2922, Philipp/Flamm (7+/6A1). Wieder einer der Meilensteine des Alpinismus, allerdings wieder verkannt durch alle
anderen, die zu dieser Zeit nur noch “Eisen” im Kopf hatten, für lange Zeit die letzte Tour der Dolomiten, in der Freikletterei gefragt war. Als die Tour, nach dem allmählichen Ende der
Eisenzeit, langsam bekannter wurde, wurde sie auch immer berühmter und der früher unbedeutende Vermessungspunkt Quota IGM 2922 (m) am Nordwestkamm der bis zu 1200m hohen Civetta Nordwestwand wurde im
Gedenken an den berühmten Dolomitenerschließer Attilo Tissi auch “Punta Tissi” genannt. Die Tourendaten: 32 Seillängen, zusätzlich noch ca. 3 bis 4 Seillängen Vorbau, welcher vielleicht
besser auch gesichert gegangen werden sollte. Von da ab 800m Höhenunterschied, ca. 1100m Kletterlänge. Die Kletterei ist meist geprägt von manchmal recht ruppiger und brüchiger Riß- und
Verschneidungskletterei durch ein ausgeprägtes Verschneidungs- und Kaminsystem. Die Erstbegeher verwendeten nur 44 Zwischenhaken. Da man davon ausgehen muß, daß die Erstgegeher in den in künstlicher
Kletterei überwundenen Stellen mehr als einen Haken geschlagen haben, ergibt sich somit, daß viele der ebenfalls extremen restlichen Seillängen komplett ohne Zwischensicherung geklettert wurden! Obwohl
Walter Philipp und Dieter Flamm nur sehr spärlich über die Tour berichteten, kann man davon ausgehen, daß auch hier, wie bereits in der oben erwähnten Lacedelli-Führe, der 7. Grad erreicht wurde. Wußte
nur eben keiner. So fällt der Ruhm wohl an Dieter Hasse (siehe unten).
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1958:
Große Zinne Nordwand: Hasse/Brandler (Diretissima), 8/6A2 (die Bertung der Freikletterschwierigkeit erfolgte durch Kurt
Albert und gilt als “etwas sparsam”). Die damals “Ostdeutschen” Dieter Hasse und Lothar Brandler wurden im Elbsandsteingebirge groß. Dennoch mußten auch Dieter Hasse, Lothar
Brandler, Jörg Lehne und Sigfried Löw in den 5 Tagen ihrer Begehung ca. 140 Haken schlagen, v.a. in der großen umgedrehten Dächertreppe zwischen der 7. und 12. Seillänge. Dennoch sind sich die
Wiederholer aufgrund der weiten Abstände der Haken einig, daß hier erstmals “der sechste Grad um einen vollen Grad überschritten wurde”. Man ist sich heute einig, daß hier erstmals in den
Alpen der volle 7. Grad erreicht worden ist. Ganz einig? Zieht man in der von Emilio Comici begangenen Nordwandroute der Großen Zinne ca. 60% der heute steckenden Haken ab, so muß meiner Ansicht nach
auch Comici bereits 35 Jahre zuvor den vollen 7. Grad erreicht haben!
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1959:
Westliche Zinne Nordwand: Schweizerführe, 6/A2 und A3, frei 9- (nach Kurt Albert). Jetzt fallen die großen Dächer! Die beiden Schweizer
Albin Schelbert und Hugo Weber durchsteigen in 9 Tagen die große, umgedrehte Dächertreppe im zentralen Wandteil der Westlichen Zinne, denen Riccardo Cassin 1935 mit seiner Nordwandroute noch ausgewichen war. Seine
Tour quert etwa erst in Wandmitte in die Nordwand ein. Durch besseres Haken- und Seilmaterial (neu: Nylonseile, bis in die 50er wurde mit Hanf geklettert) ist die “hohe” Zeit der Eisenära in vollem
Gange. Fast zeitgleich wird an den Zinnen geschlossert und gehämmert und man beginnt, die Dächer mit immer aberwitzigeren Turnübungen in Leitern und Schlingen zu spicken. Die hier genannten “Schweizer
Dächer” bilden hier zumindest teilweise eine Ausnahme, da sie der Kante des großen Dachs folgen. Demzufolge sind auch große Teile für den Wiederholer frei zu klettern. 1960 machten sich die beiden Erstbegeher
einen Namen mit der Erstbesteigung des Daulagiri (8.169m) im Himalaya.
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1963:
Große Zinne Nordwand: Superdiretissima (A2 bis A4, je nach Verhältnissen, 5+). Die Sachsen Rainer Kauschke, Peter Siegert
und Gert Uhner wollten wohl die vorherigen Sachsen (Hasse/Brandler) noch toppen. Mitten im Winter, bei zum Teil unmenschlichen -25°C, stiegen sie ein und erreichten in 16 (!!!!) Tagen den Gipfel. In den
ersten zehn Tagen waren sie dabei durch ein über 300m langes Seil mit dem Boden verbunden, welches für sie Nabelschnur zur Außenwelt war, mit dem sie sich Tee, warmes Essen und Ausrüstung nach oben
zogen. Von der Presse umjubeltes Schauspiel, einzigartige Leistung, aber doch der Abgesang auf das Eisenzeitalter. Extremeres würde man nicht mehr machen können, wichtig also auch für das umdenken auf
die “neue” Zeit!
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Peter Siegert, Reiner Kauschke, Gert Uhner und Bodenmann Horst Siegert
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1964:
Marmolada d’Ombretta: Via dell’ Ideale (7- bis 8+/A1 bis A3, je nach Hakenverhältnissen, im Moment
wahrscheinlich eher an der oberen Grenze). Während inzwischen alle Welt an Strickleitern und Haken herumturnte, hatte einer die Zeichen der Zeit längst erkannt. Amando Aste und Franco Solina kletterten
Ihre “Via dell’ Ideale” über 850m Höhenunterschied (Vorsicht, durch die vielen Querungen ist die Kletterlänge deutlich länger) in 6 Tagen, auch heute kommt man unter 3 Tagen kaum weg,
da von den ursprünglich verwendeten 154 Haken nur noch ca. 20 stecken, da ist Erstbegeherfeeling inbegriffen! Die Führe, die unten elegant an Platten und seichten Verschneidungen beginnt (Vorsicht, sehr
Haken abweisend), endet oben in übler, naßer Riß und Verschneidungskletterei, und man muß aufpassen, daß man nicht noch mit Müll der Seilbahnstation von oben beworden wird (ist glaube ich inzwischen
verboten). Dennoch ist der Hakenaufwand von 154 angesichts der Länge der Führe nicht als übertrieben zu bezeichnen, werden hier doch Stand- und Zwischenhaken zusammen gezählt. Obwohl hier bereits die
alten Tugenden des Freikletterns endlich wieder angewandt wurden, war der entgültige Durchbruch noch nicht geschafft: Auch Amando Aste verwendete die neuen Expansionshaken (Bohrhaken), um eventuell
unzugängliche Stellen notfalls auch technisch überwinden zu können. Da mußte ein anderer kommen, der mit dem Eisenzeitalter konsequent Schluß machte, und er kam (nächstes Datum).
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1968:
Heiligkreuzkofel, Mittelpfeiler (8-/6A1). Reinhold Messner und Günther Messner. Reinhold Messner ist sicherlich ein
Dickschädel, aber nur so war wohl gegen die noch dickeren Schädel der damaligen Vertreter des Eisenzeitalters anzukommen. Nur redete er nicht, er setzte Taten dagegen! Seine Erstbegehungen in den
Dolomiten zeugen von seinem genialen Kletterkönnen, sein direkter Ausstieg der Vinatzerführe an der Marmolada (6+, erstbegangen im Alleingang) zählen sicherlich zu den größten alpinistischen
Unternehmungen des letzten Jahrhunderts. Auch wenn er jetzt den Yeti sieht - an seine Touren in den Dolomiten kann jeder, der da will auch hin und sich davon überzeugen. Z.B. an die große Mauer des
Heiligkreuzkofels. Reinhold Messer berichtet dabei eindrucksvoll in seinem Buch: Der 7. Grad. Dennoch bewertete er die Tour auch nur mit “einen ganzen Grad schwerer als der 6. Grad”, aber die
Zeit war einfach noch nicht reif dazu dann auch 7 zu sagen. Wiederholer bewerten dagegen - entgegen dem Kletterführer und obwohl an der Schlüsselstelle, die Reinhold Messner ohne Haken klettern mußte
(heute steckt ein Haken) - die Führe als einen “soliden” 8-. 10 Jahre nach der Erstbegehung von 1968 kletterte Heinz Mariacher, Luisa Jovane und Luggi Rieser die erste Wiederholung, wobei
Heinz allerdings die betreffende Seillänge nach dem Seilzugquergang (die meines Wissen immer noch so geklettert wird) auf einer Rechtsvariante die zunächst 10m nach rechts ausweicht, 6m hoch führt und
dann wieder zurück quert geklettert wird. Wegen der spärlichen Absicherung ist auch diese Variante psychisch sehr anspruchsvoll, auch im Nachstieg. Die eigentliche Schlüsselstelle wurde also vermieden.
Im Sommer 1981 kletterte schließlich Reinhard Schiestl die Stelle frei, allerdings nach mehrmaligen Versuchen und - im Toprope! Die Originalroute wurde schließlich von Andi Orgler und Otti Wiedemann
erstmals frei durchstiegen, allerdings fehlen nähere Infos über diese Begehung.
Die zeugt von der Extraklasse dieses Mannes, dem es aber nicht vergönnt war, zum 7. Grad auch 7. Grad sagen zu dürfen. Dies
gelang erst 8 Jahre später einem Deutschen - allerdings nicht in den Dolomiten. Allerdings auch nur durch einen geschickten Presse-Schachzug. Der Artikel zur Erstbegehung der “Pumprisse” im
Wilden Kaiser war schon längst geschrieben, bevor Reinhard Karl und Helmut Kiene in die Tour einstiegen. Der Photograph betrachtete nur ihr Weiterkommen und veröffentlichte anschließend
“ihren” Text in den nächsten DAV-Nachrichten (heute “Panorama”). Der siebte Grad war geboren, obwohl ihn Reinhold Messner schon 8 Jahre vorher durch eine Begehung des 8.
Grades überholt hatte.
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Man kann ihn mögen oder nicht, bewundern oder verteufeln. Eines kann man aber nicht: Sich zu dem Mann mit
den vielen Ecken und Kanten nicht äußern. Einzig schade ist die Tatsache, daß seine wegweißenden Erstbegehungen in den Dolomiten heute kaum mehr bekannt sind, werden sie doch vom Himalayabergsteiger
Messner verdeckt.
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Reinhard Karl am El Capitan, Yosemite Valley
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1981:
Marmolada d’Ombretta: Weg durch den Fisch (9-/9/technisch etwa 8/Ae mehrere Stellen sind nur mit Cliffs überwinden.
Wenn Haken fehlen (Herbst 2004), müssen die Schlüsselstellen frei geklettert werden). Die Tour der Tschechen Igor Koller und Indrich Sustr bedeutet einen Paukenschlag, den allerdings anfangs keiner hören
wollte. Dies wurde - nach den ersten Wiederholungsversuchen sehr schnell anders. Die Führe ist sage und schreibe 37 Seillängen lang und besitzt zumindest im unteren Teil keine einzige leichte Seillänge.
Ein Schlag ins Gesicht für den “Hausmeister der Marmolada” Heinz Mariacher, der glaubte, “seine” Südwand nach und nach allein erschließen und sich den Ruhm dann auch selbst
abholen zu können. Nix wars, die zwei Tschechen setzten sich und dem modernen Klettersport in nur drei Tagen das wohl deutlichste Denkmal der Moderne. Ohne den Einsatz von Expansionshaken (=Bohrhaken
(ging nicht, hatten sie kein Geld für)) erschlossen sie die Tour, und daß sie’s drauf hatten, zeigt die für diese Länge extrem kurze Begehungszeit. Sie haben den “neuen” Stil, den ja
auch Reinhold Messner lange schon forderte, den Verzicht auf Bohrhaken als den “Mord am Unmöglichen” auch in extrem schweren Führen (wohl eher unwissentlich) durchgezogen und damit sicherlich
wohl eine der bedeutensten Kletterrouten der Welt geschaffen, die sich auch vor den schwierigsten Routen am El Capitan oder irgendwo sonst in der Welt nicht zu verstecken braucht.
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1982:
Marmolada Südwand: Moderne Zeiten (7). Die Bewertung stammt von Heinz Mariacher, er schreibt in seinem Führer: Eine Stelle
vielleicht auch 7+. Bei seiner Untertreibungswut demzufolge: Eine Stelle mindestens 8-, vielleicht (in der Früh und bei Kälte) auch glatt 8. 800m Höhenunterschied, durch die vielen Quergänge jedoch
bedeutend längere Kletterstrecke. In seinem Führer schreibt er akkribisch, daß die erste Seillänge nicht rotpunkt durchstiegen wurde, es wurden erst die Sicherungspunkte angebracht und dann später
nochmals rotpunkt durchstiegen. Natürlich einer der Meilensteine des modernen Kletterns, will doch der Name aussagen, daß die Erkenntnisse des aufkeimenden Sportkletterns erstmals auf die großen
Alpenwände übertragen wurden. Erstmals? Igor Koller tat dies doch schon ein Jahr früher, und dann auch noch wesentlich schwerer? Aber wollen wir ihn nicht schlechter machen, als er ist: Er setzte das
Wort von Reinhold Messner: “Der Bohrhaken ist der Mord am Unmöglichen” konsequent in die Tat um (und machte dies auch publik, wohl sein größter Verdienst). Dies tat er leider an einer
Struktur, die das Schlagen von Normalhaken fast unmöglich macht, der Marmolada-Südwand. Ob es dies dann unbedingt da braucht, ist die zweite Frage. Ich hätte sie fast nicht beantworten können, als in den
“Modernen Zeiten”, bei einer Abseilaktion oberhalb der Schlüsselseillänge ein Standhaken rauskam, der schlechtere von beiden, ein von unten nach oben geschlagener Messerhaken, hat
seltsamerweise gehalten. Das hätte ich dem Haken nicht zugetraut. Ansonsten wären zwei Leute tot gewesen. Ich bin (s.o.) nicht der Fan von Hakenleitern, sie haben den Alpinismus in die Krise geführt und
fast sterben lassen. Aber was spricht gegen sichere Standplätze? Keine Route wird dadurch leichter oder schwerer, einfach nur sicherer! Zurück zu den Modernen Zeiten (Tempi Moderni). Ich glaube,
einfach aus Ärger hat Heinz Mariacher noch die Tempi Modernissimi (also noch moderner) hinzugefügt, denn mit einer Reminizenz an Charlie Chaplin und seinem Film “Modern Times” kann das ja
dann nun wirklich nichts mehr zu tun haben
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1995:
Das dieser Luggi Rieser sich irgendwann Prem Darshano nannte und nur mit diesem komischen Zylinder in den wenigen Gazetten,
die überhaupt über ihn berichteten auftauchte, war für den normalen Kletterer Mitte der neunziger Jahre zumindest befremdlich. Ebenso befremdlich wie seine Lebenseinstellung und ich gebe zu: Auch ich
schenkte ihm wenig Beachtung, da war eher so der Verdacht: “Der nimmt doch was....”. Nein, tat er nicht, er kletterte. Und wie: Seine Routen in seiner Heimat, dem Zillertal sind legendär,
vor allem ob der spärlichen, bohrhakenfreien Absicherung. Dieser Philosophie blieb er aber auch in den Dolomiten treu, das erste Mal am Heiligkreuzkofel, Mephisto (8-, 1979). Sein Meisterstück ist
allerdings die erste bohrhakenfreie Route der Alpen im 10. Grad: Steps across the border/Senkrecht ins Tao (10-), zusammen mit seinen Freunden Ingo Knapp und Hanspeter Jesus Schrattenthaler. Die bereits
1984 eingerichtete Route konnte am 11.10.1995 schließlich frei geklettert werden.
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2004:
Marmolada Südwand, Via Della Cattedrale (6+a4) Erstbegehung von Graziano Maffei, Paolo Leoni und Mariano Frizzera im August
1985. Erste Wiederholung von Mauro Fronza und Renzo Corona im Januar 1990. Frei geklettert von Pietro Dal Pra am 9.und 10. August 2004, Schwierigkeit 10-/10. Die 10. und 11. Länge zusammen geklettert
ergeben die Schwierigkeit, wobei sich am Stand keine Ruheposition befindet. Geschichte: Die Via Della Cattedrale an der Punta Rocca wurde von dem zwar bis dato relativ unbekannten Trio Maffei, Leoni
und Frizzera mit dem Gedanken eröffnet, keine Bohrhaken zu verwenden. Den Zweitbegehern widerfuhr Glück im Unglück: Ein Stand brach ihnen aus und sie stürzten 25m auf das große Band in Wandmitte. Mit
schweren Verletzungen überlebten sie den dramatischen Abstieg. Im Sommer 2002 unternahm Michele Guerrini erste Versuche in der Route und 2003 schloß sich ihm auch Piedro Dal Pra an. Nach dem Austausch
der schlechtesten Haken (sie setzten, nach dem Willen der Erstbegeher keine Bohrhaken) versuchte Dal Pra die Route 2004. Eine Woche bei unbeständigem Wetter reichen dem Ausnahmetalent, um selbige mit
einem Durchstieg abzuschließen. Zwar mag es schwierigere Routen geben in den großen Wänden dieser Welt, doch ist hier die Gesamtanforderungen an den Begeher nicht zu unterschätzen. Teilweise
brüchiger Fels, bohrhakenfreie und teilweise gefährliche Sicherung in Verbindung mit den hohen Schwierigkeitsgraden lassen die Route als neuen Standard nicht nur an der Marmolada, sondern weltweit für
höchste Leistungen in den Bergen erscheinen. Ein Quantensprung, wahrscheinlich sonst nur vergleichbar mit Igor Koller und seiner Begehung des “Fisches”. Aber: Hier klettert ein Mann, der den
Fisch morgens zum Aufwärmen macht, um Abends - ganz locker noch ein paar Routen in Arco zu ziehen und dann einen Caffe dort zu schlürfen. Und nebenbei gesagt...dies sei auch einem der sympathischten
Vertreter des modernen Spitzensports durchaus gegönnt!
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2007:
Im Mai 2007 gelingt dem erst 23 jährigen Tiroler Hansjörg Auer die erste seilfreie Begehung des Weges durch den Fisch (9-)
an der Marmolada Südwand. Er konnte die 900m hohe Wand in nur 2 Stunden und 50 Minuten durchsteigen, Seilschaften benötigen für diese Route meist 2 Tage. So sehr diese Meldung damals für eine
Sensation sorgte (war doch der Kletterwelt der Name Hansjörg Auer vorher kaum bekannt), so sehr wird an dieser Leistung auch alle Perversion des modernen Spitzensportes gerade im Klettern deutlich. 2
Stunden und 50 Minuten reichen, um jemand bekannt zu machen, um Sponsoren zu finden und Medien, die darüber berichten. Dabei hätte hier ein Leben auch nach circa einer Stunde dreißig (dann etwa wird er
an die Schlüsselstelle gekommen sein) zu Ende sein können. Oder nach etwa zwei Stunden, das dürfte ungefähr die Zeit gewesen sein, in der Hansjörg Auer unterhalb des Ringbandes angelangt sein dürfte und
in der mir zwei Jahre zuvor ein Griff ausbrach, glücklicherweise im Nachstieg und daher ohne Folgen. Es ist ein Husarenstück, welches hier im Mai 2007 aufgeführt wurde, in diese Galerie gehört es aber
ausdrücklich nicht, daher blendet es bitte auch gedanklich aus. Oder wie einer der Meister des Dolomitenkletterns, Christoph Hainz einmal zu Alex Huber sagte, als diese sich oben am Falzaregopaß zufällig
über den Weg liefen: “Das mit der Hasse Brandler im Solo (Große Zinne Nordwand, s.o.) war schon super, aber wie lange willst Du eigentlich noch leben...”
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Zum Abschluß: Wenn Ihr meint, ich hätte einen wichtigen “Meilenstein” vergessen oder Anregungen dazu habt - mailt mir:
webmaster@kletterphoto.de
Gruß
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