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Frankenjura Galerie 2: “Die guten alten Zeiten”
Folge 2 (Seite 1/2)
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. Die guten alten Zeiten Teil 2, mit Klaus, hier im Bild, habe ich das Alpinklettern eigentlich erst begonnen. Er war der ideale Nachsteiger. Wollte immer auch das machen, was ich wollte, da gab es also schon mal keine Motivationsprobleme. Er schleppte immer den Rucksack. Egal wie schwer er war. Er beschwerte sich nie, in welcher Scheiße denn wir schon wieder steckten. Er feuerte mich an, wenn es dann doch mal wieder recht unmöglich bis verklettert aussah. Ihm habe ich mein Leben zu verdanken, als ich in einem Mai beim Abseilen an der Großen Zinnne schon aufgegeben hatte. Schnee, Regen, Sturzbäche! Er sagte, komm, wir machen weiter, das klappt schon. Wir sind freilich wieder runtergekommen, aber nur durch ihn! .
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Wie er es da geschafft hat, nicht an den Standplätzen festzufrieren, während ich mit klammen Fingern das Seil entwirre,
es auf die nächste Stufe werfe, ist mir bis heute noch unerklärlich! Irgendwann, kurz nach diesem Bild, trennten sich unsere Wege. Ich weiter klettern, er sagte, dies wächst ihm über den Kopf, er möchte eher was
anderes machen, er hat Angst, irgendwann darin umzukommen. Ich war damals sehr geschockt, als er mir dies sagte, komme ich denn auch irgendwann darin um? Noch nicht, nein, hat ja bis jetzt noch hingehauen. Aber der
erste Abschied von den “guten alten Zeiten”. Nach ein Wort zu Klaus. Genialer Mathematiker, der sich mit einem Problem wirklich bis zum Schluß beschäftigen konnte, tagelang brütete er über Dinge, die mir
irgendwann zu blöd gewesen wären, die ich dann einfach links liegen gelassen hätte. Wie die Geschichte mit dem 10 Pfennig Stück (irgendwann in: Alles Mögliche). Es war gar nicht so einfach, ihn nach 10 Jahren wieder
ausfindig zu machen, trotzdem hat es geklappt. Hoffentlich können wir noch ein paar sehr schöne Touren zusammen klettern. Es würde mich sehr freuen, er ist komischerweise immer ein sehr guter Freund geblieben, immer
einer meiner allerbesten, obwohl sich unsere Lebenslinien irgendwann getrennt hatten. Es gibt sehr wenige Leute, von denen ich das sonst sagen kann. Seine stets freundliche Art, sein Streben nach dem, was man wohl
nie erreicht, sein stetes hadern mit der Welt und den Dingen, die da geschehen machte ihn stets sympatisch - bis heute noch. Und wenn dieser Text etwas zu lange ist, das ihn jemand liest so wäre dies schade. Es
hätte sich gelohnt.
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Burglesau Sommerseite: Herbstplatte (8+). Jahrelang Trainingsgebiet der Jugend des Coburger Alpenvereins. Zumal die Tour
auch mal mit 9- bewertet war (im alten Bühler). Die wildesten Gerüchte grassierten hier, wer die Tour denn nun geschafft hatte und wer nicht. Die meisten, die es von sich behaupteten, hatten es allerdings nicht
geschafft - naja, warum soll es beim Klettern anders sein als im wirklichen Leben: Möglichst mehr scheinen als sein! Aber zurück zu den Fakten: Der Einstieg ist noch relativ leicht, eine große Schuppe links
(siehe Bild) hilft. Erst darüber beginnen die Schwierigkeiten, wo es plattig und recht kleingriffig wird. Mehr dazu allerdings erst am Ende der Galerie.
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Einige der wenigen Bilder von früher, auf dem ich mal selber drauf bin. Der Katzenbuckel als Klettergebiet eignet sich
nun mal sehr gut als Frühjahres-, Herbst- und Wintergebiet, im Winter vor allem von Vorteil, daß die Touren bis auf wenige Ausnahmen kaum den 7. Grad überschreiten, meist liegen sie im Bereich 6- bis 6+. Die hier
gezeigte Tour beschränkt sich in den Schwierigkeiten auch auf die ersten 5m, danach Gehgelände und oben nochmals ein etwas schruppiger Riß.
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Die Schwierigkeiten wie gesagt nur auf den paar Metern, gut, wenn man sich mal einen 7- abholen will. Ansonsten fällt
mir bei dem Bild noch auf: Es muß alt sein, schaut euch nur mal den Ausrüstungswahn an! Schlingen, Klemmkeile, Exen, Stand- oder Trittschlingen. Damals war man wirklich noch der Meinung, mit Ausrüstung alles
klettern zu können! Und die meisten bleiben heutzutage am Boden, wenns halt ohne nicht geht, kennen diese künstlichen Hilfsmittel nicht mal. Ist glaube ich auch besser so. Ich werde dies nie mehr jemandem
beibringen...
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...und dann auch noch die alten, grün-schwarzen As an, hach Gott, ist das peinlich, ehrlich, so war das früher, auch
wenns jetzt kaum mehr vorstellbar ist, daß man in den Dingern echt mal klettern konnte! Wer’s nicht glaubt, daß die Bilder alt sind, für den habe ich jetzt das durchschlagende Argument: DAS T-SHIRT! Auch
wenn man’s nicht so genau erkennt, das Ding ist Fluoreszens-Violett! Also jetzt schnell mal die Frau oder die Mutter fragen: Wann war denn sowas in Mode? Ach ne, fragt lieber nicht! Abgesehen davon ist das
Ding trotzdem ganz schön zäh! Obwohl damals nur für 15 DM erstanden (ca. 7.95 Euro), hat es meine Frau erst letztes Jahr zwangsweise ausgemustert (es war dann allerdings nicht mehr Fluoreszens, sondern nur noch
violett).
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Irgendwie schon wieder ein krasser Übergang, aber das dann halt so! Zurück zum Geschehen: Als ich nach dem
Studium nach Lichtenfels gezogen bin lernte ich dort eine Menge netter Leute kennen, alle zwar in unterschliedlichen Graden unterwegs, aber alle stets freundlich. Man mußte sich zwar mal hier, an der Klause
gegenüber der Kirche am Staffelberg, die eine oder andere blöde Bemerkung anhören, richtig böse gemeint war sie allerdings nie. Ich kam mir sofort wie aufgenommen auf, obwohl ich ja nicht hier geboren bin, nie
richtig als Fremder. Eigentlich war ich ein Fremder, bin bis heute noch nicht richtig “Lichtenfelser” geworden. Wann wird man das eigentlich? Mal sehen, ob sie mich eingemeinden, wenn ich mal auf ihrem
Friedhof liege!
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Der Weg zur Klause ist kurz, im Sommer, bei den vielen Touristenströmen, die dort oben vorbeikommen, ist es
ohnehin günstiger, erst beim Dunkelwerden für ein Bier anstehen zu müssen. Die Wege enden alle oben am Hochplateau und das Abendlicht fällt fast genau auf die Felsen, so hat man die Möglichkeit, so lange
zu klettern, bis es dann wirklich fast stockdunkel ist. Wenn es im Sommer auch noch warm ist und die untergehende Sonne einen zauberhaften Schleier über die Landschaft wirft, so kanns dann auch mal
vorkommen, daß man doch noch einige Minuten sitzt, schaut, staunt. Und sich irgendwie vorkommt wie “klein-” Reinhard Karl.
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Andreas Munzert in “Mangled” 8+, Alpenvereinswand. Auf dem Staffelberg lernte ich auch
Andreas Munzert kennen. Kletterverrückter, introvertierter Sonderling, wir mochten uns demzufolge sofort. Bald erzählte er mir von seinem Projekt an der Alpenvereinswand, extrem schwer. Ich wußte schon
von einigen Klettertagen vorher, daß er kurze, dafür aber extrem schwere Züge in sehr weit auseinander liegende Löcher extrem gut halten konnte, die Tour heißt deshalb so, weil er seinen Finger dort halb
“zerfleischt” hat! Er wollte sie rotpunkten, ich war Photograph bei der Angelegenheit. Er fragte mich noch, ob ichs auch mal probieren wollte. Ich wollte nicht.
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Es war Frühjahr, Wasser von oben, kalter Wind. Nicht unbedingt optimale Verhältnisse, allerdings wie ein
anderer Freund von mir (Ernst) schon mal an der Hasse-Brandler (Große Zinne Nordwand) so treffend bemerkte (Im Schneesturm): “Bei gutem Wetter kanns ja jeder!” Andi jedenfalls konnte es
und ich war tief beeindruckt: Konnten solche Grade denn für “normale Leute” überhaupt möglich sein, nicht nur für Wolfgang Güllich und Kurt Albert! Sie konnten, irgendwas machte ich also
falsch: Vor allem im Kopf! Andi hat zwar eine Zeit gebraucht, bis er es mir eingetrichtert hatte, aber irgendwann habe ich es dann langsam begriffen: Schau nicht auf die Zahl, die davor steht, sondern
auf die Tour. Und gehe (kalkulierbare) Risiken ein. Denn für uns war damals ein “kann ich vielleicht nicht” gleichzusetzen mit “pack sofort die Leiter aus”. Dies rauszukriegen ist
für einen “traditionellen” Kletterer deutlich schwieriger als für einen Anfänger. Er hats geschafft. Ich nehme keine Trittschlingen mehr in Touren mit.
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Abend im “Gottesgarten”, als solcher kann man das Land rund um Lichtenfels und den Staffelberg
auch durchaus bezeichnen, auch wenn inzwichen schon Tourismusvereine und das neue “Bad” Staffelstein diesen Ausdruck bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt haben. Abbauen, Seil aufnehmen und zur
“Klause” am Staffelberg wanken, dort wartet noch ein frisches Bier. Immerhin haben die Wirtsleute dort noch ein offenes Ohr für Kletterer, auch wenn, aufgrund von Betonköpfen in
“Unteren Naturschutzbehörden” inzwischen die besten Routen gesperrt sind, komischerweise sind die Routen, die bedenklich wären immer noch offen, die Routen, die unbedenklich sind dagegen
geschlossen. Welchen Sinn soll Naturschutz denn haben? Sicher nicht, die Natur zu schützen! In diesen Bild, würde man es von heute ab 5 Jahre später aufnehmen, sieht man dann auch die Autobahn, die
dann vom Osten gleich direkt über Suhl und Coburg durch das Maintal führen wird, irgendwo oben drüber über die sogenannten “Eierberge” im Bildhintergrund. Herrlich, wie schnell man dann das
neue “Bad Staffelstein” erreichen kann. Fragt sich nur: Will man dann noch dort hin?
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Das Gipfelkreuz am Staffelberg am Abend, es gibt zwei davon. Eines zeigt in Richtung Lichtenfels, eines in
Richtung Bamberg. Auch wenn ich manchmal nicht immer sicher weiß, wo eigentlich mein zuhause ist, so freute ich mich doch oft, es zu erblicken, man sieht es, heimwärts aus Richtung Bamberg kommend,
schon sehr früh leuchten. Oft habe ich mich darauf gefreut, es zu sehen, spät nachts, mal wieder von irgendeinem Berg gekommen, als Signal, nicht mehr weit und Du bist daheim. Dann ist daheim auf jeden
Fall wirklich daheim.
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Das mir hier nur niemand unterstellt, die Bilder wären getürkt, das ist alles aus einer Sequenz. Andi hatte
nun mal das Ding raus, sich auf diesen einen Punkt konzentrieren zu können, ran an den Fels und volle Power! Die wehenden Haare zeugen auch davon, daß er dann in der Lage war, genau auf den Punkt aber
auch das Äußerste aus sich rauszuholen. Eine bewunderswerte Eigenschaft, die für ihn die Grade nur so purzeln ließen!
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