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        by Jürgen Kremer

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November

Frankenjura
 Rund um die Großziegenfelder Wände (Klinge) - Lichtenfelser Dach

Martin Weberpals in “Lichtenfelser Dach” (8+/9-)

Irgendwie geht es hier schon gleich tierisch zur Sache, Martin schon im Dach und wer mal überhaupt so weit kommt, von dem würde ich sagen, der läßt hier nicht mehr los, obwohl Martin mein berühmtes “Wurmloch” (ich weiß, ist aus Star Trek, aber das Loch ist genau so!) beflissentlich ignoriert und sich mit irgend was anderem da hochkämpft. Is mir zwar ein Rätzel, wie er sich da auch nur 2 Sekunden festhalten kann, aber naja, scheint ja zu gehen.

Ende der Siebziger kam Jörg Lienhöft und erschloß am Lichtenfelser Dach eine neue Führe, heute als Richard Haringer Ged. Weg oder Coburger Weg bekannt. Damals mußte er noch über die Bauhütte am Einstieg drübersteigen, ein Relikt aus der Zeit, als die Klinge noch Steinbruch war (der Aufzugsmechanismus befindet sich noch im Tal zwischen Klinge und Lichtenfelser Dach). Der scheußliche Kamin bot bis dato noch eine weitere Möglichkeit. Mitte der Achziger fand ich zwei weitere Linien, den Martin Meier und den Ugo Tizzoni Ged. Weg am rechten Teil des Lichtenfelser Dachs, zunächst als rein technische Linien konzipiert, war später klar, daß beide Linien auch frei kletterbar sind, sie bewegen sich beide im Grad 9-. Lange bin ich, weil ich meinte, die Linien seien nur technisch kletterbar, nicht mehr ans Lichtenfelser Dach gegangen, insofern war es auch Helmut Andelt, der die schöne Linie von “Löchl Geröchl” (8-/8) erkannte und einbohrte, sicherlich eine der schönsten Lochklettereien im Umfeld der Klinge. Die vorläufig letzte Welle der Erschließung bringen noch zwei weniger lohnende Führen im äußerst linken Teil und mein drei-Zug Problem: “Bär in the Air” (8/8+) aus dem Jahr 2000, welches die Schwierigkeiten nur im unteren Teil bis zum Erreichen des (kurz gebohrten) 3. Hakens hat. Die Route heißt daher so, weil mich meine Frau dort immer sicherte. Da die Schlüsselstelle allerdings in geringer Höhe und die Stürze daher härter sind, war sie des öfteren eben auch mal “in the Air”.

Das Lichtenfelser Dach am Lichtenfelser Dach. Klingt irgendwie blöd, ist aber so.
Zur Erklärung: Das Dach, das der Tour und schließlich auch dem ganzen Fels den Namen gab, wurde von Pit Grohschmitt, Lichtenfelser Kletter Mythos und Erstbegeher zahlreicher Routen im nordlichen Frankenjura in den 60er Jahren erstbegangen. Mit zahlreichen technischen Hilfsmitteln erschlossen, hies das Ding dann halt: “Des Dach vo di Lichtenfelser”, also: Das Lichtenfelser Dach. Das es möglich ist, noch andere Routen dort zu realisieren war damals nicht denkbar, aufgrund der Lochstruktur und dem Fehlen von Rissen mit Normalhaken auch gar nicht machbar. Also blieb es vorerst bei dieser einen Tour. Übringens. Mein Text ist gerde so groß wie das Bild, ach ja, fast vergessen, Martin Weberpals noch im unteren Teil der Tour, aber schon an der ersten Schlüsselstelle: Dem Erreichen des Daches in der extrem plattigen und sehr glatten Passage vor dem Dach.

Halt, halt, was sage ich da, fast schon geschafft: Nein, diese Stelle kann nochmal über Schaffen oder Nichtschaffen entscheiden, kann sogar zur Schlüsselpassage werden: Das Einhängen der zweiten Schlinge im Dach. Erstmal muß man sich ohnehin schon tierisch strecken. Dann weicht die Schlinge dem Karabiner auch noch aus und läßt sich schlechter klippen als ein fest sitzender Bühler. Sobald man dann Seil rauszieht, wird die ganze Lage noch brenzliger. Und am Schluß hat man den gleichen Scheiß ja schon an der ersten Dachschlinge hinter sich gebracht, man hält sich also schon einige Zeit an ziemlich schlechten Griffen fest! Ziemlich schlüsselstellig würde ich jetzt langsam meinen! Ich konnte es nicht: Fazit: Nach dem ungefähr zehnten Versuch hatte ich die für mich passende Lösung: Auslassen der ersten Schlinge, das spart einfach Zeit, man muß nur einmal rausziehen und die Stelle, an der ich stand, war ohnehin die gleiche. Dann ging es auch!

So, Einhängen ist erledigt, jetzt kann man sich auch endlich mal wieder aufs Klettern konzentrieren! Etwas störend für links: Die Schlinge hängt in dem Loch, das auch die linke Hand braucht, hier muß man etwas fingern, damit sich die beiden nicht zu sehr im Wege sind.

Willkommen zum Grande Finale: Jetzt aber schnell sein, der Griff rechts ist zwar nicht schlecht, taugt aber auch nur für Sekunden.
Und am eigentlich leichtesten Zug innerhalb des Daches hatte ich die meisten Schwierigkeiten. Bis hierher gings immer und nicht weiter. Ich zweifelte langsam an meiner Kraft, würde ich die Tour jemals klettern können? Irgendwann sagte mal jemand: “Mach doch mal rechts einen Hock mit dem Fuß”. Das ist von hier aus halb über Kopf, nein, das hatte ich bisher nie in Erwägung gezogen. Ich probierte es einmal und beim nächsten Versuch war ich oben. Anschließend zweifelte ich an meiner Kreativität

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Das isser, der berühmte Hook! Das Stoppen des Rauspendelns und die Tatsache, daß die Füße jetzt höher sind, machen die vorher schlechten plötzlich wieder zu guten Griffen - genial!

Jetzt nur noch die Füße unter den Körper bringen - der Ausstieg ist dann lediglich noch ne Formsache, man kann es auch beim Klippen des Umlenkers bewengen lassen (das Abbauen der Tour ist ohnehin schon kompliziert genug).

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