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November

Sardinien
 Sardiniens Osten

Die Klettergebiete rund um Cala Gonone: Der Sektor: Il Poltrona

Das sicherlich beeindruckendste Klettergebiet in Cala Gonone ist der Sektor “Il Poltrona”, wobei man von Sektor hier wirklich nicht mehr reden kann, es handelt sich hier um eine ganze Wandflucht. Kein geringerer als Heinz Mariacher setzte hier 1985 Zeichen. Seine Route: Deutsch Wall (von den Italienern so getauft) stellte in Sardinien - man kann fast so weit gehen und sagen: Weltweit! neue Maßstäbe! Die Kühnheit der Routenführung über die senkrechten Platten, die extremen Hakenabstände von z.T mehr als 10mn bei schlechten Einhängpositionen (dazu kommt: Die Route wurde von unten erschlossen!) und die anhaltenden Schwierigkeiten machen die Route schnell berühmt. V.a., als zahlreiche Wiederholer an der Führe gnadenlos abblitzten. Heute auf 6c zurückgestuft, erfreut sich die Führe dennoch kaum einer Wiederholung, ich selbst gehöre hier auch zu den bekennenden “Nicht-Wiederholern”. Warum? Ganz einfach: Warum riskieren, nach 2 Tagen in Sardinien einen zweiwöchigen Urlaub im Krankenhaus verbringen zu müssen - nein, dafür hatte ich noch zu wenig von dieser wunderschönen Insel gesehen!

Die “kürzeren” und leichteren Touren im zentralen Wandteil sollten nicht über die Größe der Wand von knapp 200mn hinwegtäuschen. Auch bei den s.g. “Baseclimbs” (1SL-Routen) sollte ein langes Seil im Rucksack stecken, wir waren oft froh, hier unser 70m Seil mit hochgetragen zu haben und selbst dies wurde beim Ablassen manchmal zu kurz. Das die Bilder etwas “unterbelichtet” sind hat auch einen Grund: Von Morgens bis spät Nachmittag scheint hier die Sonne in die Wand. Unsere erste Tour (linkes Bild, 5a, inzwischen aufgewertet auf 5c) war im Schatten immer noch so heiß, daß ich mir fast die Finger am Fels verbrannte. Ich weiß, kaum vorstellbar für einen Kletterer aus nördlichen Breiten, war aber so!

Bild links: Witzige Geschichte zu diesem Bild: Zwei Deutsche vor uns hatten sich in der Route versucht, irgendwie klappte es aber nicht. Ich hatte von diesen Platten langsam auch schon die Schnautze von, wollte eigentlich nur weg. Da sah ich in der Route noch zwei Expressen hängen. Ich sagte: Das probiere ich mal, Frau war skeptisch! Ich meinte: Bis zur Expresse komme ich auf jeden Fall und wenn ich weiter komme, dann gehört die Expresse ja mir, als bin ich eingestiegen, ohne Ahnung, wie schwer das wohl sein würde. Sehr kleine Griffe, aber extrem scharf, phantastisch, was sich da halten lies, ich war selbst überrascht, auf was ich auf einmal antrat, mikroskopisch klein und haltend. Ab der zurückgelassenen Expresse packte mich die Eitelkeit, da komme ich noch gar hoch und zwar ohne Haken! Kam ich dann auch! Meine Finger sahen zwar aus, wie durch den Fleischwolf gedreht, aber ich war oben!

Klinke den Umlenker, komme zurück zum Boden, meine Frau klettert nach - allerdings in traumwandlerischer Sicherheit steht sie da am Fels, wie festgeklebt. Ich weiß, sie kann so was, was ich nicht kann in Platten, aber kann sie sich in einem 6c+/7a (wie ich vermutet hätte) festhalten? Solche Mikrogriffe gibt es im Frankenjura in 9ern, gut, Platten und alles mögliche, also hat dies zumindest ein 8- oder ein 8er zu sein. Meine Frau stolziert hoch, ich lasse sie ab, wir beide sind der Meinung: Sehr schwer, allerdings sehr schön, eine der schönsten Touren in Il Poltrona. Halt, da ein Einwurf: “Naja, so schrecklich schwer fand ich die Tour dann doch auch nicht” (von meiner Frau). Entsetzen bei mir, wie, kann doch nicht sein, ich habe mein Letztes gegeben! Ein Blick in den Führer, schwer da was zu finden zwischen den neuen Touren, doch dann die unglaubliche Wahrheit: 6a+ (6+/7-). Irgendwie konnte das meine Freude dennoch nicht trüben, eine der schönsten Plattentouren gemacht zu haben. Komisch oder - manchmal ist die Schwierigkeit unwichtig für das Empfinden, manchmal kommt das stärker durch, was eigentlich - bei vielen leider allzu selten - das Klettern ausmacht: Freude an der Bewegung, Anstrengung und Freude an der Anstrengung, aber auch Freude an dem - an sich unnützen Treiben. Aber so ist das eben nun mal.

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