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November

Sardinien
 Sardiniens Osten

Das Klettergebiet von Dorgali

Das kleine aber feine Klettergebiet von Dorgali liegt im Osten der Insel, vom großen Klettergebiet von Cala Gonone in wenigen Minuten aus zu erreichten, direkt oberhalb von Dorgali, an der oberen Ortsumfahrung. Dort das Auto stehen lassen und in 5-10 anstrengenden Gehminuten direkt zum schon von unten sichtbaren Felsriegel. Waren im Oviglia Führer von 1995 nur 11 Routen verzeichnet, so sind es im neuen Gebietsführer über Cala Gonone von Corrado Conca deren schon 54! Auch ein Beispiel dafür, wie rasant sich die Erschließung der Kletterfelsen von Sardinien im Augenblick vollzieht!

Blick nach oben, beim kurzen, aber schweißtreibenden Anstieg zu den Kletterwänden. Wurden früher wohl nur die ersten Meter klettertechnisch erschlossen, sind die Führen heute zwischen 15 und 35m lang. Es lohnt sich also auch hier, ein 70m Seil mitzunehmen. Das Bild ist eigentlich schon beim Abstieg gemacht - ab ca. 14.00 Uhr kommt die Sonne in die Wand, ab dann ist es nicht mehr möglich (außer vielleicht im Winter) dort zu klettern. Hier sind also Frühaufsteher gefragt, ansonsten lohnt sich ein Besuch hier nicht (außer man ist hitzeerprobt).

Blick von der Wand in Richtung Dorgali. Ein alter Wasserkanal bietet hier beim Aufstieg das letzte Hindernis, welches man überwinden muß, aber keine Angst, ein etwas wackliges Brett gibt hier erste Sicherheit. Allerdings: Wer zu spät kommt, den bestraft die Sonne, man sieht schon den Schlagschatten, der sich langsam, aber dafür um so sicherer in die Wand rein dreht. Danach ist es vorbei mit Klettern!

Kurze, sehr gut gesicherte Einstiege, danach ist es vorbei mit lustig, dann geht es ernsthaft zur Sache! Der gelbe Fels zeigt an, daß es hier womöglich schwierig werden könnte, die Mehrzahl der Anstiege liegt so zwischen 6b und 7b, wobei einem da meist nix geschenkt wird. Wer sich aber in dem Grad zuhause fühlt, hat hier geniale Wege, die am oberen Rand dieser Schwierigkeitsangaben immer leichter werden, denn mit einem hat man hier nicht zu kämpfen: Mit abgespecktem Fels! Alles hält, nur nicht all zu lange: Zum einen kann man im Normalfall die sehr scharfe Felsstruktur nach ein paar Touren nicht mehr halten, zum anderen dreht sich unbarmherzig der Planet immer weiter in die eigene Richtung!

Bild links: Kurze (15m) aber knackige 6b+, die vor allem alles von den Fingerkuppen abverlangt! Die Füße sind hier dagegen weniger gefragt, anders als in Arco, wo auf den Tritten immer diese seltsamen Quitsch-Geräusche entstehen, ist hier auch der gemeine, schlecht stehende Frankenjura Kletterer ein wahrer Meister Steher! Auch wenn der Tritt nicht völlig exakt angetreten wird, durch die Rauheit des Gesteins und die vielen kleinen, noch nicht rund getretenen Mikro-Vertiefungen kommt man sich hier vor, als hätte man Kleber an den Sohlen, die Temperatur begünstigt natürlich noch zusätzlich die Haftung. Einzig ungewöhnlich: Sich über diese Erkenntnis klar zu werden. Auf viele der Mikro Tritte würde im Frankenjura kein Mensch einen Fuß draufsetzen, weil er weiß, das das nicht halten kann. Hier ist die Reibung so selbstverständlich wie die immer gleich vom Himmel brennende Sonne.

Üblicherweise ein Schimpfwort, hier einfach pure Notwendigkeit: Schattenparken! Das Lenkrad wird in der Sonne so heiß, das ein Losfahren unmöglich wird, weil man es einfach ohne Brandwunden nicht mehr anfassen kann. Einzig sinnvolle Investition hier: Die Klimaanlage (hab ich natürlich nicht). Nein, nicht das einzig sinnvolle, gibt noch was: Ein Kühlschrank. Muß allerdings ein Gaskühlschrank sein, weil die üblichen, im Baumarkt zu erstehenden Kühlboxen nur etwa 15°C unter die Wagentemperatur kühlen. Wer demzufolge sein Bier gekocht trinken möchte und die Batterie entleeren - bitte. Denn bei 45°C im Auto ergibt das eine angenehme Trinktemperatur von ca. 30°C. Ist nicht sonderlich der Hit, könnt ihr mir glauben, ich habe es ausprobiert!

Bild oben: Blick über Dorgali. Häufig zu sehen und hier sicherlich sehr sinnvoll: Die Warmwasserbereitung geschieht hier meist über Tanks, die schwarz bemalt auf den Dächern stehen. Man fragt sich lediglich: Kommt dann das Wasser schon kochend aus der Leitung?

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